EU-Gipfel: Pflege, Kinder, Bildung als Motor von Beschäftigung und Konjunktur
Am Vorabend des EU-Gipfels drängt die Diakonie die Regierungschefs in einem offenen Brief, soziale Investitionen als Schlüssel für Wachstum zu nützen.
Der soziale Sektor und damit die Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen ist Motor für Konjunktur und Beschäftigung. Laut Europäischer Kommission ist die Beschäftigung im Gesundheits- und Sozialbereich stärker gewachsen als in anderen Bereichen der Wirtschaft. Zwischen 2000 und 2009 stieg die Zahl der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialsektor um 4,2 Millionen Menschen, „das ist ein Viertel des gesamten Beschäftigungszuwachses in der europäischen Wirtschaft“, so Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk. „Dieser Wirtschaftssektor generiert zudem etwa 5 % der gesamten wirtschaftlichen Leistung in Europa“.
Zusätzlich hat die Europäische Kommission mit ihrem aktuellen „Action Plan for EU Health Workforce“ das Problem erkannt, dass die demografischen Entwicklungen Verbesserungen für die derzeitigen Arbeitsbedingungen erfordern, um möglichst viele Menschen in diesem Arbeitsfeld halten zu können, bzw. die Beschäftigung weiter ausbauen zu können.
Deshalb fordert die Diakonie in einem offenen Brief die Regierungschefs auf, die Potenziale für uns alle bei Pflege, Kinderbetreuung, Bildung und sozialen Hilfen nicht zu übersehen. „Denn die letzten Jahre haben gezeigt: die Sozialwirtschaft ist Motor für Beschäftigung und Konjunktur in Europa,“ betont Martin Schenk, Sozialexperte und stv. Direktor der Diakonie Österreich.
„Soziale Dienstleistungen sind keine Kosten, bei denen gespart werden darf, sondern Investitionen, die sich auf lange Sicht durch bessere Gesundheit und gutes Zusammenleben in der Gesellschaft lohnen“, betont Schenk. „Nicht zuletzt wird dieses Geld gut eingesetzt, denn jeder verdiente Euro wird von Non-Profit-Organisationen wieder dazu verwendet, neue Dienste für die Schwächsten der Gesellschaft auszubauen.“ Besonders im ländlichen Raum und für die regionale Entwicklung könnten wichtige Impulse gesetzt werden.
„Wenn durch kurzsichtige Kürzungspolitik soziale Chancen geraubt werden, sind langfristige negative Folgen für die europäischen Staaten sicher. Aus diesem Grund muss diese Diskussion morgen in den Gipfelgesprächen geführt werden“, so Schenk. „Die Kosten sozialer Ausgrenzung und die Verschlechterung des sozialen Zusammenhalts müssen bei Wirtschafts- und steuerpolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden.“ Wer sozialer Polarisierung mit all ihren negativen Folgen für die ganze Gesellschaft gegensteuern will, muss nicht nur für die Stabilisierung des Finanz- und Bankensektors eintreten, sondern auch für die Stabilisierung des sozialen Ausgleichs," so Schenk abschließend.
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Hier lesen Sie den offenen Brief an die EU-Regierungschefs
