31.08.2010

Schulanfang nicht leistbar!

Diakonie fordert Reform von Schulstartgeld, wie Schülerbeihilfe, und ruft zur Akuthilfe am Schulbeginn auf

„Ein guter Start am Schulanfang wird sich für viele Kinder heuer nicht ausgehen“, warnt der Sozialexperte der Diakonie Österreich, Martin Schenk. „Jetzt schon leben 254.000 Kinder in äußerst beengten Verhältnissen, sie leben in überbelegten Wohnungen, das heißt, sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit zu wenig Platz zum Spielen und Arbeiten, keinen eigenen Schreibtisch“, weist Schenk auf schlechte Startbedingungen für viele Kinder am Schulanfang hin. „Der eigene Platz zum Lernen, um sich zu konzentrieren, ist ein Faktor, der in den OECD-Bildungsstudien als wichtiger Indikator für Lernerfolg beschrieben wird.“
(Quelle: Statistik Austria 2010, EU-SILC 2008)


„Zunehmend klagen Eltern über die oft nicht mehr leistbaren Beiträge, die zu Schulbeginn abverlangt werden. Ein einfaches Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet 100 bis 300 Euro“, beschreibt Claudia Röthy, Geschäftsführerin der Stadtdiakonie Wien, die schwierige Situation. Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr.
„Damit Zukunft nicht von der Herkunft abhängt, braucht es Hilfestellungen am Schulstart genauso wie einen Bildungsweg, der nicht sozial selektiert, sondern individuell fördert,“ betont Diakonie-Sozialexperte Schenk. „Wichtig wäre auch, Schulen in sozial benachteiligten Bezirken oder Regionen besonders gut auszustatten und zu fördern, damit sie für alle Einkommensschichten attraktiv bleiben.“


Reform des Schulstartgelds, SchülerInnenbeihilfe und Schulveranstaltungen
Dringend reformbedürftig sind die Geldleistungen, die SchülerInnen aus einkommensschwachen Elternhäusern unterstützen sollen, so die Diakonie.
Da ist einmal das Schulstartgeld. Das ist in jedem Bundesland anders geregelt, in drei Bundesländern gibt es so etwas überhaupt nicht, wie in der Steiermark, in Niederösterreich und in Vorarlberg. Der Betrag liegt zwischen 29 und 155 Euro, es gibt unterschiedlichste Anspruchsvoraussetzungen (Einkommen, Schulstufe, Status), unterschiedlichste Antragstellen und unterschiedlichste Antragsfristen. „Für all das Wirrwarr gibt es keine sachlichen Gründe. Was fehlt, ist ein einheitliches Schulstartgeld für armutsbetroffene Kinder, und zwar bundesweit, klare Antragstellungen und klare Anspruchsvoraussetzungen“, so Martin Schenk.


Laut Diakonie ist auch die SchülerInnenbeihilfe dringend reformbedürftig. Sie sollte ein Beitrag für sozialen Ausgleich sein, eine Hilfe für Kinder aus einkommensschwachen Familien: Das bedeutet, sie stärker an den positiven Abschluss und nicht an den Notendurchschnitt zu koppeln (für gute Noten gibt es so und so einen eigenen Erhöhungsbeitrag). Weiters muss die Auszahlung auch die 9.Schulstufe erfassen, gerade hier gibt es hohe Kosten im Ausbildungsjahr – und die Ausbildungsentscheidung steht an. Die Inanspruchnahme ist ein weiteres Problem. Die Schülerbeihilfe ist seit den 1970er Jahre nicht mehr reformiert worden.


Ähnliche Probleme gibt es bei den Finanzierungshilfen für Schulveranstaltungen: Es besteht kein Rechtsanspruch, in der Regel überaus niedrige Einkommensgrenzen, Hohe Nichtinanspruchnahme der Förderung, Sicherstellung der Information an potentiell anspruchsberechtigte Eltern.


Für die Geldleistungen steht also:

  1. die Verbesserung des Zugangs und der Inanspruchnahme an: Information, bürgerfreundlich und nicht beschämend.
  2. die Verfahrensqualität: „Good governance“, grundrechtsorientiert und bundeseinheitlich.
  3. die Dotierung: z.B. in einem Schulausgleichsfonds.

Aktion Schulanfang: Schulsachen für Kinder armer Eltern
Zur Akuthilfe für Kinder, deren Eltern sich den Schulstart nicht leisten können, hat die Stadtdiakonie Wien ein Spendenkonto eingerichtet. „ Alle Schülerinnen und Schüler sollen gleiche Chancen und Möglichkeiten haben“, so Claudia Röthy abschließend.


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