09.12.2011

Tag der Menschenrechte: Jugend ohne Zukunft? In Recht auf Prävention investieren!

Diakonie: Berufsorientierungsprogramme an Schulen, koordinierte Elternarbeit und frühe Hilfen sind unerlässlich, um Jugendliche auf ihrem Weg zu stärken.

„Jedes Jahr brechen 10.000 Kinder und Jugendliche vorzeitig die Schule ab. 30.000 sind auf Unterstützung der Jugendwohlfahrt angewiesen, 148.000 Minderjährige müssen in manifester Armut leben. In Zeiten der Wirtschaftskrise darf nicht vergessen werden, dass Kinder und Jugendliche Rechte haben, die eingehalten werden müssen,“ erinnert Martin Schenk, Sozialexperte und stv. Direktor der Diakonie Österreich, anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember an die offenen Fragen in der Jugendarbeit.

„Für die wichtige präventive Arbeit fehlen die rechtlichen Grundlagen. Derzeit gibt es nur den Anspruch auf Leistungen, wenn Gefahr droht. Vielmehr muss es aber soziale Rechte auf präventive Maßnahmen geben, damit es gar nicht erst zum Schlimmsten kommt.“

Investitionen in präventive Hilfe notwendig

„Es braucht Investitionen in den Jugend-Bereich. Vor allem präventive Maßnahmen wie ein Ausbau von Berufsorientierungsprogrammen an Schulen und koordinierte Elternarbeit bzw. frühe Hilfen sind unerlässlich, um Jugendliche auf ihrem Weg zu stärken,“ so Schenk.

Neben diesen Maßnahmen braucht es aber auch gesetzliche Rahmenbedingungen, um die Zukunftschancen von Jugendlichen zu erhöhen, ist Schenk überzeugt. „Wir arbeiten in der österreichischen Jugendwohlfahrt noch immer mit neun unterschiedlichen Gesetzen, neun unterschiedlichen Qualitätsstandards und neun unterschiedlichen Kategorisierungen von sozialen Dienstleistungen. Eine Vereinheitlichung der Gesetzgebung ist überfällig, und wird von ExpertInnen immer wieder gefordert.“

Ein weiterer Punkt: Für viele Jugendliche heißt das Erreichen des 18. Lebensjahrs, „Geburtstagskerzen ausblasen und gehen“. Familien setzen ihre Kinder üblicherweise nicht mit 18 Jahren plötzlich auf die Straße, sondern fördern im besten Fall ihre Entwicklung zu reifen, selbstständigen Erwachsenen. Der Staat Österreich beendet seine Fürsorge jenen Kindern gegenüber, die ihm anvertraut sind. Und zwar mit 18.  Die Gewährung der Hilfe bis zum 21. Lebensjahr – wie in anderen europäischen Ländern üblich - wäre ein wichtiger Beitrag zu den sozialen Menschenrechten“, so Schenk.

Die Kids können nicht länger warten

Kinder und Jugendliche, die kein behütetes Zuhause haben, können nicht länger warten. „Es ist Zeit, endlich konkret zu werden. Denn die Folgekosten, die aufgrund nicht getätigter Investitionen entstehen, sind wesentlich höher als präventive Ausgaben. Vom Leid der Familien, Kinder und Jugendlichen ganz abgesehen,“ so Schenk abschließend.

Die Diakonie macht im Rahmen ihrer Kampagne
„Jugendliche ohne Zukunft? Niemand darf verloren gehen“ mit Nachdruck auf Jugendarbeitslosigkeit, Schulabbruch und Hoffnungslosigkeit aufmerksam.

Die Diakonie engagiert sich in der Familienberatung, mit Notschlafstellen, Wohngemeinschaften, Arbeitstrainings, Schulassistenz, frühe Kommunikationsförderungen bis hin zu betreutem Wohnen in Krisensituationen.

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