How is God? She is old.

Pfarrer Mag. Michael Chalupka, Direktor Diakonie Österreich

Der Eiertanz um die Finanzierung der Pflege.
"How is God? She is black.“
Das war in den 70er- und 80er-Jahren ein Schlachtruf der feministischen Theologie,
um darauf hinzuweisen, wie sehr Sprache das Gottesbild prägt.
„Wie ist Gott? Sie ist schwarz“, auf T-Shirts getragen und an Hausmauern gesprüht, machte mit einem Mal deutlich, wie sehr die Gottesbilder männlich dominiert und patriarchalisch geprägt waren.

Als der Ausspruch „God, she is black“ geprägt wurde, wurde er als Blasphemie und Provokation verstanden und kritisiert.
Heute haben wir mehr Verständnis dafür, dass Menschen in vielfältigen Formen nach Gottes
Ebenbild geschaffen sind, kann es doch leicht sein, dass der nächste amerikanische Präsident schwarz sein wird und auch eine Frau hätte sein können.
Das kindliche Gottesbild, das uns alle geprägt hat, der alte Mann mit einem langen Bart, verblasst.
Wir haben gelernt, uns Gott nicht mehr allzu menschlich vorzustellen.
Trotz der biblischen Mahnung „Du sollst dir kein Bildnis machen von deinem Gott“ brauchen Menschen – so scheint es – Vorstellungen, an denen sie sich festhalten können, um ihre Gottesbeziehung
zu leben. Diese Bilder spiegeln dann weniger göttliche Eigenschaften als menschliche Realitäten wider.
Eine patriarchalische Gesellschaft sieht dann eben in Gott den ehrwürdigen alten Patriarchen.
Um das Ende der Patriarchen brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, dass aber die Ehrfurcht vor dem Alter sich nicht mehr in den zentralen Bildern unserer Gesellschaft wiederfindet, sollte uns zu denken geben.

In unserer bilderdurchfluteten Welt dominieren die Jungen und Schönen, die Idole des Sports und
der Welt der Mode.

Die Schönheit und die Weisheit des Alters haben da keinen Platz.
Die Alten und Pflegebedürftigen fallen aus der solidarisch abgesicherten Gesellschaft hinaus.
Wird das Risiko der Arbeitslosigkeit und der Krankheit noch solidarisch durch unser Sozialversicherungssystem getragen, so ist das Risiko, pflegebedürftig zu werden, weitgehend
privat zu tragen.
Viele Alte werden dadurch nach einem Leben voller Arbeit zu Unterstützungsfällen für die Sozialhilfe.

Der Eiertanz um die Finanzierung der Pflege, wie wir ihn nun seit Jahren erleben, entwürdigt die Alten.

Die Diakonie entwickelt Modelle, die dem Anspruch, dass jeder Mensch, ob jung oder alt, ob fit
oder krank, nach Gottes Ebenbild geschaffen ist und das Recht auf einen würdevollen Lebensabend hat, gerecht werden sollen. In unseren Gottesbildern sollte auch dafür Platz sein.
Warum sollten wir uns Gott mittlerweile nicht auch als zierliche alte Dame vorstellen können?
Wir müssen deshalb keine T-Shirts tragen, auf denen steht:
„How is God? She is old and wise.“


DiakonieThemen

Info

Der Text dieser Seite stammt aus dem Magazin "Diakonie Themen".
Es handelt sich um das Editorial der Ausgabe zum Thema:
Lebensrisiko Pflege

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Bettina Klinger
bettina.klingerATdiakonie.at