Kinder mit chronischen Erkrankungen

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07. November 2025
Was Eltern und Pädagog:innen wissen sollten

In Österreich leben mehr als 190.000 Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten wie Asthma, Allergien, Diabetes, Rheuma oder Stoffwechselstörungen. Diese Erkrankungen sind sehr herausfordernd für das Kind und für die Familie. Wenn das Kind chronisch krank ist, erschwert das den gesamten Alltag.

Was heißt „chronisch krank“?

Eine chronische Erkrankung ist eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die länger als sechs Monate andauert oder dauerhaft besteht. Dazu zählen körperliche, psychische oder neurologische Erkrankungen, die regelmäßige Behandlungen oder Medikamente erfordern. Viele betroffene Kinder  leben aber mit Einschränkungen, die ihren Alltag, ihre Schulleistung und soziale Integration beeinflussen.

Was bedeutet chronische Krankheit für ein Kind

  • Schmerzen und andere gesundheitliche Beeinträchtigungen
  • Schwierigkeiten in der Schule wegen Fehlstunden
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel Konzentrationsstörungen und Müdigkeit
  • Einschränkungen durch gesundheitliche Vorschriften, wie zum Beispiel Pflichtmessungen, Ernährungsvorschriften usw.

Anstatt unterstützt zu werden, werden die Kinder aber oft 

  • alleingelassen: Menschen im Umfeld wissen häufig nicht genug über chronische Krankheiten bei Kindern. Es fehlt an Informationen, der richtigen Ausstattung und am Problembewusstsein
  • abgewiesen: oft ist nicht klar, wer für das chronisch kranke Kind „zuständig“ ist: Niemand übernimmt die Verantwortung und Kindergarten oder Schule wollen das chronisch kranke Kind nicht aufnehmen
  • ausgeschlossen: chronisch kranke Kinder können am Alltag oft nicht teilhaben, zum Beispiel, weil sie körperlich beeinträchtigt sind, sich an strikte Essensvorschriften halten müssen usw. 
  • angegriffen: leider mobben Mitschüler:innen chronisch kranke Kinder oft

Häufige chronische Erkrankungen bei Kindern

Asthma bronchiale

Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Atemwege, die zu Husten, Atemnot und pfeifenden Atemgeräuschen führt. Die Schwere reicht von leichten, intermittierenden Beschwerden bis zu schweren Dauersymptomen. In Österreich sind etwa 10 % aller Kinder betroffen. Mit frühzeitiger Diagnose, inhalativer Therapie und regelmäßiger Kontrolle ist meist ein normales Leben möglich.

Diabetes mellitus Typ 1

Diese Autoimmunerkrankung führt zur Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Sie tritt meist zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr auf. Kinder benötigen eine lebenslange Insulintherapie, Blutzuckerkontrollen und Ernährungsschulung. Moderne Insulinpumpen und kontinuierliche Glukosemesssysteme erleichtern den Alltag, doch die Krankheit verlangt hohe Selbstdisziplin und elterliche Unterstützung.

Juvenile idiopathische Arthritis (JIA)

JIA ist die häufigste rheumatische Erkrankung im Kindesalter. Sie verursacht anhaltende Gelenkentzündungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Unbehandelt kann sie zu bleibenden Gelenkschäden führen. Die Therapie umfasst entzündungshemmende Medikamente (NSAR, Kortikosteroide), Biologika und Physiotherapie. Frühzeitige Diagnose verbessert die Prognose erheblich.

Epilepsie

Etwa 0,5–1 % aller Kinder in Österreich leben mit Epilepsie. Die Erkrankung ist durch wiederkehrende Krampfanfälle unterschiedlicher Ausprägung gekennzeichnet. Ursachen können genetisch, strukturell oder idiopathisch sein. Eine individualisierte medikamentöse Behandlung ist entscheidend; bei therapieresistenter Epilepsie kommen operative oder diätetische Ansätze (ketogene Diät) infrage.

Mukoviszidose (Cystische Fibrose)

Mukoviszidose ist eine erblich bedingte Stoffwechselkrankheit, die durch zähflüssige Sekrete vor allem in Lunge und Verdauungssystem gekennzeichnet ist. Sie führt zu chronischen Atemwegsinfektionen, Verdauungsproblemen und Untergewicht. Dank moderner Arzneistoffe wie CFTR-Modulatoren hat sich die Lebenserwartung deutlich verbessert, dennoch bleibt die Erkrankung schwerwiegend und therapieintensiv.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betreffen auch Kinder und Jugendliche. Typisch sind wiederkehrende Bauchschmerzen, Durchfälle und Wachstumsstörungen. Eine frühzeitige Betreuung ist entscheidend, um Komplikationen zu verhindern und Entwicklungseinbußen zu vermeiden.

Seltene Erkrankungen

Etwa 6–8 % aller Kinder sind von sogenannten seltenen Krankheiten betroffen. Dazu zählen genetische Stoffwechselstörungen, Muskelerkrankungen oder Immunerkrankungen. Die Diagnose ist oft langwierig, da die Symptome unspezifisch sind und Spezialzentren fehlen.

Autor:innen

Mag. Martin Schenk
Direktion & Geschäftsführung
Grundlagen & Advocacy
Stv. Direktor | Sozialexperte Armut, Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe