Kinder- und Jugend-Psychotherapie
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Schule, Erwartungen und der ständige Blick aufs Handy
Für viele Kinder und Jugendliche wird der Alltag zum Stress. Psychische Belastungen, Leistungsdruck, Mobbing und der Vergleich in sozialen Medien verstärken einander und lassen kaum Raum zum Durchatmen. Dass es längst nicht nur um „schlechte Laune“ geht, zeigt auch die Studie zur Jugendgesundheit.
Diakonie-Therapeutin Christine Hartl-Leibetseder* gibt Einblick in die aktuelle Situation von Jugendlichen und psychische Belastungen
In Schulen sollte eine positive, angenehme Atmosphäre für Kinder und Jugendliche spürbar sein, damit das Lernen attraktiv bleibt, und überhaupt für alle möglich ist.
Pädagog:innen sollten unbedingt das Augenmerk darauf legen, dass Gleichaltrige eine positive Beziehung zueinander aufbauen. Nur dann werden sie im Falle einer Verunsicherung oder Krise auch unterstützend füreinander da sein.
Die Schule, aber natürlich auch die Familie sollte Ressourcen zur Verfügung stellen, um Kinder und Jugendliche in der Entwicklung positiver Ziele und Zukunftspläne zu fördern und zu unterstützen. Wer Pläne hat, und daran arbeiten kann, sie wahr werden zu lassen, kann der immer wieder spürbaren Hoffnungslosigkeit entgegenwirken.
Die Corona Pandemie ist zwar schon 5 Jahre her, jedoch wirken die Einschränkungen nach, mit denen Kinder und Jugendliche während der Pandemie klarkommen mussten. Diese Einschränkungen haben viele junge Menschen in einen chronischen Stresszustand versetzt. Psychische und physische Symptome waren und sind die Folge. Wir sind seit dieser Zeit vermehrt mit Ängsten, depressiven Erkrankungen, mit Suizidgedanken, Krankenhausaufenthalten wegen Essstörungen, mit Isolations- u. Rückzugsverhalten konfrontiert.
Kinder und Jugendliche sind aktuell zusätzlich zu ihren täglichen Herausforderungen von Sorgen geplagt: Krieg, Klimawandel, die Teuerung , wirtschaftliche Probleme der Eltern sind große Herausforderungen für junge Menschen. Bei jenen, denen es ohnehin nicht gut geht, verfestigen sich die Sorgen.
Viele Kinder und Jugendliche sind aufgrund des steigenden Leistungsdrucks erschöpft. Wenn sie schon eine gewisse psychische Instabilität mitbringen, oder eine psychische Verletzbarkeit, dann braucht es dann oft nur eine geringe Erhöhung des Drucks von außen, um relevante Symptome und seelische Störungen zu entwickeln, die dann behandlungsbedürftig sind.
Und von außen gesehen, was kann die Gesellschaft tun, damit die Belastung der jungen Menschen kleiner wird?
Wichtig ist zu sagen: Die Ursachen für die psychischen Belastungen und Erkrankungen liegen nicht bei den Betroffenen oder ihren Familien. Es ist Aufgabe der ganzen Gesellschaft für die Förderung der Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und allen anderen Altersgruppen zu sorgen.
Eine gute Aufklärung aller Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zu den Themen Ernährung, Sport, Einfluss von Handy, Einfluss von Medien auf die Gehirnentwicklung bei Kindern wäre wichtig.
Und es braucht ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein, das auch gesellschaftliche Faktoren wie Leistungsdruck und Wertewandel mitdenkt.
Ein zentrales Element ist die Früherkennung von psychischen Auffälligkeiten – ob im Kindergarten, in der Schule oder beim Arzt. Je früher eine Problematik erkannt wird, desto besser kann geholfen werden. Dafür braucht es gut geschulte pädagogische Fachkräfte und eine enge Vernetzung zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen und Institutionen.
Es braucht ausreichend kostenfreie Psychotherapie
Nicht zuletzt müssen ausreichend kostenfreie Psychotherapieplätze zur Verfügung stehen. Denn rasche Hilfe kann viel Leid verhindern – und Kindern und Jugendlichen den Weg in ein gesundes Leben ebnen
*Mag. Christine Hartl-Leibetseder ist Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Kinder- u. Jugendlichen-Psychotherapie. Sie arbeitet im Diakonie Zentrum Spattstrasse in Linz mit jenen Kindern und Jugendlichen, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können. Sie leben in Wohngruppen und brauchen therapeutische Unterstützung.