Konkrete Tipps für den Alltag in Kindergarten und Schule

  • Analyse
23. Dezember 2025
Ein armutssensibler pädagogischer Alltag beginnt bei scheinbar kleinen Entscheidungen.

Ein armutssensibler pädagogischer Alltag beginnt bei scheinbar kleinen Entscheidungen. Materialien wie Stifte, Hefte oder Bastelutensilien sollten grundsätzlich für alle Kinder verfügbar sein. Wenn etwas fehlt, ist es wichtig, dieses still zu ergänzen, ohne Nachfragen oder Kommentare. Unterschiede in Ausstattung oder Besitz sollten nicht thematisiert oder verglichen werden. Aussagen wie „Warum hast du das nicht?“ oder „Frag doch deine Eltern“ können Kinder beschämen und helfen nicht weiter, wenn finanzielle Mittel fehlen.

Allen Kindern gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen

Ebenso zentral ist eine armutsfeste Gestaltung des Alltags, die allen Kindern gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht. Aktivitäten sollten möglichst kostenlos oder sehr kostengünstig geplant werden. Ausflüge sind so zu gestalten, dass kein Kind ausgeschlossen wird. 
Gibt es einen Fonds oder einen Elternverein, der finanziell aushilft, dann ist darauf zu achten, dass die Kinder nicht vor versammelter Klasse „ausfindig“ gemacht werden, sondern anonym und auf direktem Wege. Z.b Brief an alle Eltern zum Ankreuzen, der auch von allen im Kuvert wieder an die Pädagogin bzw Direktion abgegeben wird. „Bedürftgkeitsprüfungen“ sind aber meist die zweitbeste Lösung, besser es geht für alle.

Tipps

Gemeinsame Jausen- oder Frühstücksangebot

Gemeinsame Jausen- oder Frühstücksangebote sind sehr hilfreich. Das hilft pädagogisch, weil die Kinder sich besser konzentrieren können, es hilft sozial, weil gemeinsames Essen der Gemeinschaft gut tut, es hilft gegen Armut, weil Familien in finanziell schwieriger Situation entlastet werden.

Kiste voll mit Gatschhose

Ein bewährtes Beispiel für gelebte Armutssensibilität ist eine Kiste voll mit Gatschhosen. Wenn wetterfeste Kleidung zur Verfügung steht – ohne Namenszuordnung oder Sonderregelungen –, können alle Kinder bei jedem Wetter draußen spielen und teilnehmen.

Feiern ohne Konsumdruck

Auch Feste und Feiern sollten ohne Konsumdruck organisiert werden; Geschenke, Geburtstage oder besondere Anlässe deshalb nicht an große materielle Leistungen koppeln.

Autor:innen

Mag. Martin Schenk
Direktion & Geschäftsführung
Grundlagen & Advocacy
Stv. Direktor | Sozialexperte Armut, Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe