Neurodiversität verstehen – Ein Ratgeber für Eltern

  • Story
16. September 2025
Was ist Neurodiversität?

Neurodiversität bedeutet „unterschiedliche Wahrnehmung“: Menschen denken, fühlen, lernen und erleben die Welt auf unterschiedliche Weise – und das ist normal. Statt von „Störungen“ zu sprechen, sehen wir neurologische Unterschiede als Teil der menschlichen Vielfalt.

Welche Formen von Neurodiversität gibt es?

Dazu zählen zum Beispiel:

  • ADHS / ADS: Besonderheiten bei Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Impulskontrolle
  • Autismus-Spektrum: Andere Wahrnehmung und soziale Kommunikation
  • Hochsensibilität: Das Kind nimmt Geräusche, Gerüche oder Gefühle stärker wahr als andere. (Ist meist keine Diagnose, aber relevant für die Art, wie sich Kinder in Gruppen verhalten)
  • Hochbegabung: Das Kind kann viele Dinge besonders gut und denkt schneller als andere. Oft fühlt es auch sehr stark.
  • Tourette-Syndrom: Das Kind macht manchmal unwillkürliche Bewegungen oder Geräusche (sogenannte Tics), ohne es zu wollen. Oft ist es auch sehr kreativ und hat Sinn für Humor.
  • Sprachentwicklungsstörungen (SES): Unterschiede beim Sprachverstehen und -gebrauch
  • Nichtsprechende Kommunikation: Das Kind spricht nicht, sondern zeigt mit anderen Zeichen oder Gesten, was es möchte. Das kommt zum Beispiel bei autistischen oder mehrfachbehinderten Kindern vor
  • Legasthenie / Dyskalkulie: Herausforderungen beim Lesen, Schreiben oder Rechnen
  • Sensorische Verarbeitungsstörungen: Über- oder Unterempfindlichkeiten gegenüber Reizen
  • Dyspraxie / Entwicklungskoordinationsstörung: Schwierigkeiten mit Bewegung und Koordination

Was Sie als Eltern tun können:

  • Stärken stärken: Sehen Sie vor allem die Stärken Ihres Kindes. Um Ihr Kind zu stärken, ist es wichtig, nicht nur auf die Schwächen zu schauen, sondern auch die besonderen Fähigkeiten und Interessen des Kindes zu erkennen.
  • Hinweise erkennen: Versuchen Sie, die Unterschiede als Information zu verstehen. Also nicht als „Problem“, sondern als Hinweis, wie das Kind lernt und fühlt.
  • Fachkräfte fragen: Gehen Sie möglichst früh in einen Austausch mit Fachkräften: Zum Beispiel mit Pädagoginnen, Ärztinnen, Beratungsstellen oder in die Entwicklungsdiagnostik.
  • Struktur gibt Sicherheit: Geben Sie Ihrem Kind möglichst viel Struktur und Sicherheit im Alltag. Das heißt: Klare Tagesabläufe bieten Halt, aber ohne zu viel Kontrolle.
  • Bedürfnisse ernst nehmen: Hören Sie auf die Bedürfnisse des Kindes. Auch wenn diese manchmal untypisch erscheinen.

Was Pädagog:innen tun können

  • Gestalten Sie die Räume so, dass sie möglichst Rückzug UND Entfaltung ermöglichen.
  • Lassen Sie es zu, dass jedes Kind auf seine eigene Weise lernen kann
  • Achten Sie darauf, dass es in der Gruppe nicht zu viele Geräusche oder andere Eindrücke auf einmal gibt. 
  • Mehr über das Thema Neurodiversität lernen und mit anderen darüber sprechen – Neurodiversität betrifft uns alle

Neurodiversität ist individuell ganz verschieden

Neurodivergente Kinder passen nicht immer ins „typische Raster“. Sie brauchen individuelle Zugänge. Jedes Kind ist anders. Verlangen Sie keine Anpassung um jeden Preis.

Neurodiversität lädt uns ein, Vielfalt wertzuschätzen. Wenn wir Neurodiversität pathologisieren, werden die Schwierigkeiten größer, und nicht kleiner.

Neurodiversität ist keine Störung, sondern ein Teil menschlicher Vielfalt.

Wenn wir Kinder so annehmen, wie sie sind, stärken wir ihr Selbstwertgefühl und legen die Basis für eine gesunde Entwicklung. Das Kind ist nicht falsch. Es denkt nur anders.