Wenn Schule zur Belastung wird

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26. Januar 2026
In der Schule gibt es plötzlich massive Probleme – kann das mit psychischen Belastungen zusammenhängen?

Psychische Belastungen bei Kindern erkennen und verstehen

Wenn es in der Schule plötzlich zu massiven Problemen kommt, ist das fast immer ein Signal dafür, dass etwas nicht passt. Schulische Schwierigkeiten lassen sich häufig nicht isoliert betrachten, sondern stehen in engem Zusammenhang mit psychischen Belastungen von Kindern. Für Eltern ist es wichtig, diese Signale ernst zu nehmen und genauer hinzuschauen. 

Schulprobleme können sowohl Ursache als auch Folge psychischer Belastungen sein. Manchmal entstehen Schwierigkeiten in der Schule, weil ein Kind bereits unter Stress, Angst oder Überforderung leidet. In anderen Fällen entwickeln sich psychische Belastungen erst aufgrund von schulischem Druck, Leistungsanforderungen oder Konflikten. Die Frage, was Ursache und was Wirkung ist, lässt sich oft nicht eindeutig beantworten. 

Typische Anzeichen für psychische Belastungen 

Typische Anzeichen für psychische Belastungen zeigen sich unter anderem durch Konzentrationsprobleme, einen plötzlichen Leistungsabfall trotz Lernens oder durch Schulvermeidung. Manche Kinder klagen häufig über körperliche Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen oder wirken dauerhaft erschöpft. Auch Motivationsverlust, Rückzug, Interessenverlust oder schlechtere Noten können Hinweise sein. 

Fehlende Motivation, schnelle Erschöpfung und sozialer Rückzug können zudem auf depressive Verstimmungen hindeuten. Gerade wenn diese Veränderungen über einen längeren Zeitraum bestehen, sollten Eltern aufmerksam werden und Unterstützung in Betracht ziehen. 

Familiäre Konflikte und soziale Belastungen  

Auch familiäre und soziale Belastungen spielen eine große Rolle. Konflikte in der Familie, Trennungen, Krankheiten oder Trauerfälle binden viel emotionale Energie. Ebenso können Mobbing oder Ausgrenzung in der Schule dazu führen, dass Kinder kaum noch Kraft fürs Lernen haben. Die Aufmerksamkeit ist dann stark auf das belastende Thema gerichtet, wodurch schulische Leistungen oft automatisch nachlassen. 

Selbstwertprobleme

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Selbstwertprobleme. Kinder mit einem geringen Selbstwert haben häufig große Angst, Fehler zu machen, stellen hohe Ansprüche an sich selbst oder vergleichen sich stark mit anderen. Manche reagieren mit Perfektionismus, andere mit Resignation. 

ADHS, Ängste oder Lernschwierigkeiten 

Darüber hinaus gibt es psychische oder neuropsychologische Faktoren wie ADHS, Angststörungen oder Lernstörungen, die zunächst unentdeckt bleiben können und sich erst über schulische Probleme bemerkbar machen. 

Für Eltern ist es oft nicht leicht, die genauen Ursachen zu erkennen. In manchen Fällen sind sie offensichtlich, etwa bei Mobbing. Häufig braucht es jedoch fachliche Unterstützung, um Zusammenhänge zu verstehen und passende Hilfen zu finden. 

Fragen  und Antworten zu Psychischen Belastungen bei Kindern 

Ein sensibles Thema ist auch der Leistungsdruck. Druck im eigentlichen Sinn ist für Kinder nicht hilfreich. Sinnvoller ist es, von Anforderungen und Erwartungen zu sprechen. Ein gewisses Maß an Anforderungen kann motivierend wirken, zu hohe Erwartungen führen jedoch zu Überforderung. Ob Anforderungen passend sind, zeigt sich meist an den Reaktionen des Kindes. 

Im Familienalltag ist es hilfreich, Schule nicht zum Dauerthema zu machen, die Anstrengung der Kinder wertzuschätzen und Fehler als Teil des Lernprozesses zu sehen. 

Wenn Kinder in der Schule gemobbt werden, ist es besonders wichtig, frühzeitig einzugreifen. Eltern sollten ihr Kind ernst nehmen, zuhören und Unterstützung organisieren. Anlaufstellen können Lehrpersonen, die Schulleitung, Schulpsycholog:innen oder Schulsozialarbeit sein. Viele Kinder sprechen aus Scham nicht von sich aus über Mobbing, weshalb ein vertrauensvoller Rahmen zu Hause entscheidend ist. 

Auch Wutausbrüche und aggressive Reaktionen sind häufig ein Ausdruck von Überforderung. Sie sind kein Zeichen von Boshaftigkeit, sondern ein Hilferuf. Strafen allein helfen in solchen Situationen nicht weiter. Wichtig ist es, die Auslöser zu verstehen und dem Kind alternative Wege zu zeigen, mit starken Gefühlen umzugehen. 

Wut ist grundsätzlich ein wichtiges Gefühl. Sie zeigt an, dass Grenzen überschritten wurden. Kinder dürfen wütend sein, brauchen aber Unterstützung, um ihre Wut ohne Verletzungen auszudrücken. Bewegung, körperlicher Ausdruck oder Rückzug können dabei helfen. 

Eine besonders hilfreiche Frage in belastenden Situationen lautet: „Was brauchst du gerade?“ Viele Kinder können erstaunlich gut benennen, was ihnen hilft – sei es Ruhe, Bewegung, Nähe oder Zeit für sich. Diese Frage stärkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit und gibt Kindern das Erleben, nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Die Frage nach dem Warum – Warum hast Du so reagiert, warum bist du so… ist meist nicht zielführend, weil Kinder das häufig selber nicht benennen oder einordnen können. 

Holen Sie sich Hilfe! 

Psychische Belastungen bei Kindern äußern sich oft über Verhalten und schulische Schwierigkeiten. Eltern müssen diese Herausforderungen nicht allein bewältigen. Entscheidend ist, Signale ernst zu nehmen, hinzuschauen und sich rechtzeitig Unterstützung zu holen.

Anlaufstellen bei psychischer Belastung & Tipps

  • Bei körperlichen Symptomen den/die Kinder-/Hausärztin aufsuchen, um mögliche physische Ursachen abzuklären
  • Mit Pädagog:innen oder Schulsozialarbeiter:innen in Kontakt treten und darüber sprechen
  • Falls vorhanden, Fachpersonal an den Schulen heranziehen (z.B. Schulpsycholog:innen, Psychagog:innen, School Nurse)
  • Externe Hilfe in Form von Kinder- und Jugendpsycholog:innen bzw. klinischen Psycholog:innen kontaktieren und für eine Beratung aufsuchen
  • Mit dem Kind sprechen:
    • Keine stressigen Momente wählen und darauf bestehen, dass das Kind erzählen muss. 
    • angenehme Momente schaffen wie zum Beispiel vor dem Schlafengehen ohne Geschwisterkinder 
    • offene Fragen stellen und zuhören.
    • immer vermitteln, dass du hinter dem Kind stehst, dass es gut so ist, wie es ist 
    • klar machen, dass man zusammen für jedes Problem eine Lösung findet.
  • Auf die eigene Psyche achten und sich auch Hilfe bei Sorgen holen: im vertrauten Umfeld darüber sprechen und sich professionelle Hilfe bei psychologischen Beratungen, Therapeut:innen oder Selbsthilfegruppen suchen.

Interview mit Eva Offenthaler, geführt von Hannelore Kleiß