Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
- Story
Kinder, die nicht mehr schlafen können, Jugendliche, die sich zurückziehen, Familien, die um Hilfe ringen und monatelang auf einen Therapieplatz warten. Rund 20–25 % aller Kinder und Jugendlichen leiden im Laufe ihrer Entwicklung an einer psychischen Störung leiden. Dazu zählen Angststörungen, Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS), Essstörungen, Zwangserkrankungen oder Verhaltensauffälligkeiten.
Wenn Angst und Traurigkeit den Alltag bestimmen
Viele junge Menschen erleben heute schon früh Stress, Angst und Überforderung.
- Manche Kinder entwickeln Angststörungen – sie trauen sich kaum noch in die Schule oder haben panische Angst vor Trennungen.
- Andere rutschen in eine Depression: Sie verlieren die Freude an Dingen, die sie früher liebten, ziehen sich zurück oder wirken ständig müde und reizbar. Bei Jugendlichen ist Depression mittlerweile eine der häufigsten psychischen Erkrankungen.
- Auch ADHS, Essstörungen und Zwangserkrankungen prägen das Bild.
Betroffene Kinder und Jugendliche kämpfen mit dem Gefühl, „nicht normal“ zu sein. Dabei brauchen sie vor allem eines: Verständnis, Geduld und professionelle Hilfe – und zwar rechtzeitig.
Häufige psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter
Angststörungen
Etwa 10 % aller Kinder entwickeln im Laufe ihrer Schulzeit eine behandlungsbedürftige Angststörung. Dazu zählen Trennungsangst, soziale Phobien oder generalisierte Angst. Unbehandelt können sie zu Schulvermeidung, Schlafstörungen und Rückzug führen.
Depressionen
Depressive Symptome treten bereits im Grundschulalter auf, nehmen aber besonders in der Pubertät zu. Etwa 8–10 % der Jugendlichen in Österreich leiden an einer Depression. Typische Anzeichen sind Antriebslosigkeit, Traurigkeit, Rückzug, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme. Besonders alarmierend: Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen im Jugendalter.
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung)
ADHS betrifft etwa 5 % der Kinder. Die Erkrankung ist durch Unaufmerksamkeit, Impulsivität und motorische Unruhe gekennzeichnet. Frühzeitige Diagnostik und eine Kombination aus Therapie, Elterntraining und – in manchen Fällen – medikamentöser Behandlung verbessern die Prognose deutlich.
Essstörungen
Essstörungen wie Anorexia nervosa und Bulimie treten vor allem bei Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren auf. Prävention und frühe Intervention sind entscheidend, um lebensbedrohliche Verläufe zu verhindern.
Traumafolgestörungen
Gewalt, Vernachlässigung oder Fluchterfahrungen können zu Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) führen. Betroffene Kinder leiden unter Albträumen, Angst, Übererregbarkeit oder Vermeidungsverhalten. Traumapädagogik und psychotherapeutische Begleitung sind essenziell für Heilung und Stabilisierung.
Prävention und Förderung psychischer Gesundheit
Psychische Erkrankungen sind ernst zu nehmen. Wichtig sind:
- Früherkennung und Frühe Hilfen
- Offene Gesprächskultur über Gefühle und Belastungen
- Stärkung sozial-emotionaler Kompetenzen
- Leichter Zugang zu Therapie- und Beratungsangeboten
- Entlastung der Familien durch finanzielle und strukturelle Unterstützung
Versorgungslage in Österreich
Die Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher in Österreich ist unzureichend. Es fehlt an niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater:innen, Psycholog:innen und Therapieplätzen. Wartezeiten von mehreren Monaten sind keine Seltenheit. Besonders im ländlichen Raum besteht Unterversorgung. Wir fordern seit Jahren den Ausbau ambulanter Strukturen, Schulpsychologie und Krisendienste.
Autor:innen
Mag. Martin Schenk
Direktion & GeschäftsführungGrundlagen & Advocacy
Stv. Direktor | Sozialexperte Armut, Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe