Ansätze zur Vorbeugung und Therapie bei Demenz
Demenz-Vorbeugung ist möglich: Demenz-Symptome mildern und Selbständigkeit fördern
Auch wenn noch fast alle Demenzformen als nicht sicher vermeidbar oder heilbar gelten, gibt es viele Ansätze zur Vorbeugung. Und es gibt Therapien, die den Alltag mit Demenz verbessern können.
Wie Sie Ihr Demenzrisiko reduzieren können
Die Forschung zeigt: Fast die Hälfte alle Demenzerkrankungen könnte man verzögern oder verhindern. Damit das gelingt, sollte man schon sehr früh beginnen, die „Gehirngesundheit“ zu fördern. Der Vorteil: Damit tut man auch Herz und Kreislauf viel Gutes!
3 Schritte zur Vorbeugung von Demenz:
1. Bewegung hat viele positive Effekt
Bewegung kann sich positiv auf Blutdruck, Diabetesrisiko, Gewichtsregulierung auswirken. Wenn Sie dabei auch soziale Kontakte pflegen und Spaß haben, haben Sie auch schon einen weiteren Risikofaktor (Einsamkeit) reduziert. Es geht nicht darum, viel Bewegung zu machen, oder dass die Bewegung anstrengend sein muss. Es geht um regelmäßige Aktivitäten, die Sie gut in Ihren Alltag integrieren können.
2. Ernährung, Alkohol und Rauchen
Eine gesunde Ernährung, insbesondere die sogenannte “Mittelmeer-Diät”, also mit viel Obst, Gemüse, Fisch und gesunden Fetten, wirkt vorbeugend – nicht nur gegen Demenz! Hören Sie auf mit dem Rauchen, und genießen Sie wenig Alkohol. Beides ist wichtig für die Gehirngesundheit – und hier gilt: je früher, desto besser!
3. Geistig aktiv und psychisch gesund bleiben
“Wer rastet, der rostet“ gilt auch fürs Gehirn. Lebenslanges Lernen und regelmäßiges Gedächtnistraining schützen nachweislich. Dafür ist es gut, den Alltag möglichst abwechslungsreich zu gestalten, sich auch neuen Herausforderungen zu stellen und etwa neue Hobbies zu versuchen. Es ist nie zu spät, zu malen oder zu tanzen! Das ist auch eine gute Gelegenheit, soziale Kontakte zu pflegen.
Depression und Demenz hängen zusammen.
Wenn Sie vermuten, an einer Depression zu leiden, ist eine frühe Abklärung und Behandlung wichtig. So kann man eine daraus resultierende Demenz vermeiden.
Welche Medikamente gibt es bei Demenz?
- Antidementiva: Das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung kann durch sogenannte “Antidementiva” in manchen Fällen verzögert werden.
- “monoklonale Antikörper”: Auch die neuen Therapien mit monoklonalen Antikörpern (Handelsname Lecanemab) versprechen einen langsameren Verlauf für gewisse Personengruppen.
- Blutdrucksenker: Bei vaskulären Demenzen kann durch Blutdrucksenker ein positiver Effekt eintreten. Eine Heilung ist aber derzeit nicht möglich.
Was tun, wenn Demenz von anderen Symptomen begleitet wird?
- Oft sind Begleitsymptome wie Aggressivität oder Depressivität für die Betroffenen und/oder das Umfeld besonders belastend.
- Hier sollte man prüfen, ob eine Veränderung des Umfelds Abhilfe schaffen kann.
- Medikamentös können auch Antidepressiva helfen. Der Einsatz von Antipsychotika (Neuroleptika) zur Beruhigung ist von den behandelnden Ärzten sehr genau zu prüfen.
- Schmerztherapie: Manchmal können Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz ihre Schmerzen nicht mehr gut ausdrücken - deshalb sollte man bei auffallend verändertem Verhalten auch an eine Schmerztherapie denken.
Nicht-medikamentöse Therapien
Neben Arzneimitteln gibt es eine ganze Reihe von Therapien, die bei Demenz helfen
- Fähigkeiten für den Alltag zu erhalten
- am sozialen Leben weiter teilzuhaben und
- Alles, was einer guten Lebensqualität zuträglich ist
Nicht-medikamentöse Therapien sind:
Ergotherapie und Physiotherapie
Ergo- und Physiotherapie fördern die Selbständigkeit im Alltag. So werden etwa Waschen, Kochen, Anziehen geübt bzw. die Beweglichkeit trainiert. Auch hier ist es wichtig, Ziele zu finden, die für die Person bedeutsam sind und sie motivieren. Der Verbleib im eigenen Haushalt ist etwa ein wichtiges Ziel – durch Ergotherapie ist dies tatsächlich länger möglich. Physiotherapie kann z.B. durch die Reduktion des Sturzrisikos ebenfalls das Leben zu Hause länger ermöglichen.
Milieutherapie
Die sogenannte Milieutherapie setzt bei der Gestaltung des Umfelds an. Wenn Menschen sich im gewohnten Alltag nicht mehr gut orientieren können und dadurch verunsichert sind, machen Anpassungen Sinn. Ziel ist primär Wohlfühlen und damit Entspannung. Raumgestaltung, angenehme Materialen und Düfte tragen etwa dazu bei.
Psychotherapie
Für Verhaltenstherapie gibt es bei Menschen mit Demenz gute Ergebnisse. Sie zielt v.a. auf den Umgang mit der Diagnose, den Einschränkungen und den Reaktionen des Umfelds ab. Depressionen können gemildert oder vermieden werden.
Gedächtnistraining (kognitives Training)
Gedächtnistraining sollte auf die Person gut abgestimmt sein und vorhandene Fähigkeiten nutzen. Der Versuch, durch Training verlorene Fähigkeiten wieder “herzustellen” kann überfordernd und damit frustrierend sein. Das Training sollte regelmäßig erfolgen und von der Person als sinnvoll erachtet werden. Es gibt viele Trainer:innen, die speziell für diese Therapie ausgebildet sind. Das Gedächtnistraining kann in Gruppen besonders attraktiv sein, z.B. in der Tagesbetreuung.
Musiktherapie, Kunsttherapie
Musik kann aktiv oder passiv wirken. Es ist sowohl gut, selbst zu singen, zu tanzen, oder Musik zu machen, als auch bewusst Musik zu hören. Am besten mit positivem Bezug zu früheren Lebensphasen. Musik kann aktivieren, zum Gespräch einladen oder auch beruhigen. Kunsttherapie verhilft zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten (auch bei Menschen, die nie “gemalt” haben), sie schafft sinnvolle Betätigung und das Gefühl, etwas herstellen zu können.
Gartentherapie und tiergestützte Therapie
Auch diese Therapieformen können die Lebensqualität fördern.
Validation
Besonders hilfreich in der oft schwierigen Kommunikation mit Menschen mit Demenz ist die Validation.
Validation heißt: “die Person ernst nehmen”
Die Grundannahme ist: Hinter dem, was eine Person mit Demenz sagt, steckt ein Sinn, eine Absicht, die es ernst zu nehmen gilt. Die von Naomi Feil entwickelte Haltung und Methodik „nimmt für wahr” (validiert), was die Person mit Demenz äußert, und geht darauf ein.
Streit und Ablehnung vermeiden
Durch verschiedene Techniken und Prinzipien der Validation wird Streit und Ablehnung vermieden und Verständnis gefördert. Zwei Beispiele sind das “Spiegeln”, also Aufnehmen und Wiederholen von konkreten Worten, Lautstärke, Emotion sowie das Vermeiden von “Warum-Fragen”. Vorträge, Kurse und Bücher über Validation bieten einen guten Überblick, und zeigen, wie diese entlastende Umgangsweise angewendet werden kann.
Unterstützung und Beratung finden
Stellen Sie bei sich oder Ihrem Angehörigen mehrere dieser Warnzeichen fest, sollten Sie nicht zögern, mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber zu sprechen. Je früher eine Therapie gestartet wird, desto mehr kann erreicht werden.
Die Diakonie bietet Unterstützung und Beratung für Menschen, die von Demenz betroffen sind, und deren Angehörige. Das Angebot ist vielfältig.