Wer versteht, welche Bedürfnisse Menschen mit Demenz (weiterhin) haben, kann Lebensqualität für Betroffene und Angehörige fördern und erhalten.
Beginnende Demenz verunsichert. Nicht vergessen: Bedürfnisse beachten!
Wenn mit der beginnenden Demenz das Erinnern, die Orientierung, die Planung nicht mehr wie gewohnt funktionieren, fühlen wir uns verunsichert, instabil, verloren. Wer sind wir ohne diese wichtigen Fähigkeiten? Sind wir dann überhaupt noch „Ich“?
Sind alle Grundbedürfnisse erfüllt?
Ob Lebensqualität weiterhin gelingt, hängt von der Erfüllung unserer Grundbedürfnisse ab. Das gelingt nie perfekt. Aber sie zu ignorieren, führt sicher zu mehr Trauer, Ärger und Frustration.
Ich kann noch viel machen, ich vergesse halt.
Was Menschen brauchen, die mit Demenz leben, ist gar nicht so schwer zu verstehen.
Menschen, die mit Demenz leben,
- brauchen das Gefühl, dazuzugehören
- wollen ernstgenommen werden
- brauchen Sicherheit und Vertrauen
- wollen über sich selbst bestimmen
- wollen Aktivität und Sinn
- brauchen körperliches Wohlbefinden
- wollen weiterhin als individuelle Person wahrgenommen werden.
A Mensch möcht’ i bleib’n.
Diese Bedürfnisse kennen wir alle. Aber im Alltag handeln wir bei Menschen mit Demenz oft genau gegenteilig. Und das bei bester, fürsorglicher Absicht.
Wir fragen nicht, wir entscheiden. Wir stellen Sicherheit über Freiheit. Unser Wunsch, dass alles sicher, ordentlich und wie gewohnt abläuft, verursacht Stress. Bei den Menschen mit Demenz, weil sie mit Fehlleistungen konfrontiert werden – und bei Angehörigen, weil sie daran scheitern und Widerstand erleben.
Wir alle brauchen und verdienen das Bedürfnis, uns als Menschen zu fühlen und wir verlieren es niemals. Wir brauchen und verdienen es, ein gutes Gefühl gegenüber uns selbst zu haben.
Lebensqualität bei Demenz fördern heißt, die Person sehen, nicht die Erkrankung
Der Sozialpsychologe Tom Kitwood hat die Person mit Demenz ins Zentrum seines Ansatzes gestellt und fünf Grundbedürfnisse genannt (und die Liebe ins Zentrum gestellt).
Er stellte die Einzigartigkeit und Individualität des Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt und betonte, dass Demenz nicht nur eine medizinische Diagnose ist, sondern auch die Person als Ganzes betrifft.
Für Kitwood ist die Art und Weise, wie Menschen mit Demenz behandelt werden, entscheidend für Wohlbefinden und Lebensqualität. Wir geben Ihnen einige konkrete Hinweise auf der Seite Tipps für die Alltagsgestaltung.
Aber es gibt kein Rezept. Denn was für eine konkrete Person passt, können Sie nur im Gespräch herausfinden. Denn jeder Mensch ist einzigartig, mit und ohne Demenz.
Demenz: Medizin und Therapie leisten wichtige Beiträge
Gegen Demenz gibt es noch kaum Medikamente, schon gar keine heilenden. Aber zur Lebensqualität mit einer fortschreitenden Erkrankung gehören natürlich auch medizinische Behandlung und Therapien. Weil Menschen mit Demenz nicht immer gut ihre Schmerzen beschreiben können, bleiben sie manchmal unbehandelt. Auch Depressionen im Alter sind ein oft übersehenes Phänomen.
Zu den „nicht-medikamentösen“ Therapien, die viel zur Lebensqualität beitragen können, zählen Ergotherapie (sie hilft die Alltagsfertigkeiten zu verbessern für ein selbständiges Leben) und Logopädie, Körpertraining, kognitives Training (wenn es gut an die Phase der Demenz angepasst wird und nicht überfordert) und auch Psychotherapie (vor allem Verhaltenstherapie).
Holen Sie Hilfe und tauschen Sie sich mit anderen aus!
Und zu guter Letzt noch ein Tipp: Weil das Leben mit einer Demenzerkrankung neu, verwirrend und oft auch isolierend ist, kann der Austausch mit anderen Betroffenen und Beratung sehr hilfreich sein. Es gibt mittlerweile viele Schulungsangebote, Selbsthilfegruppen und Peerberatung. Zu erkennen, dass man nicht allein ist, zu hören wie andere die Situation bewältigen oder welche konkreten Angebote es gibt, entlasten und können wieder Lebensfreude wecken.