Klick für Klick zur Selbstständigkeit
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Der Arbeitstag von Zoran Milosavljević, Head of Department in der Softwareentwicklung, ist offiziell vorbei. Doch heute steht noch ein Termin an. Kein weiteres Meeting, kein Projektmanagement – sondern ein Hausbesuch. Eine Seniorin möchte ihren Antrag auf Kostenübernahme für Physiotherapie online einreichen. Laptop, Smartphone und Unterlagen liegen bereit.
Bevor der Laptop aufgeklappt wird, wird erst ein Kaffee eingeschenkt. Die Freude über Zorans Besuch ist groß. Seit einigen Jahren kommt er regelmäßig vorbei und hilft bei großen und kleinen Fragen rund um Smartphone und Laptop.
„Ich muss erst schauen, wie das geht. Auswendig weiß ich das nicht“, meint Zoran und setzt sich neben die Seniorin vor dem Laptop. Jeder Schritt wird gemeinsam geklickt, er erklärt geduldig, beantwortet Fragen und wartet, bis alles nachvollziehbar ist. Ziel ist, dass sie versteht, was passiert und sich beim nächsten Mal selbst zutraut, es allein zu tun.
Mit sichtlichem Spaß wird anschließend auch die WLAN-Geschwindigkeit getestet: „Also das ist, als würdest du zu Fuß nach Wien gehen“, lacht Zoran und hat damit das nächste Thema gefunden.
Solche Termine gehören für ihn selbstverständlich zum Feierabend. Nicht, weil er muss, sondern weil er möchte, dass niemand den Anschluss verliert. Als Freiwilliger ist er im Projekt „Handy, Laptop & Co.“ des Diakoniewerks aktiv und unterstützt ältere Menschen dabei, digitale Hürden im Alltag zu überwinden.
Viele Alltagswege führen inzwischen ins Digitale – von Terminvereinbarungen über Rabatt-Apps und Ticketkäufe bis zur Kostenerstattung. Umso wichtiger ist es, dass Unterstützung nicht bevormundet, sondern befähigt. Genau darin sieht Zoran den Kern seines Engagements: „Niemand sollte auf Unterstützung verzichten müssen, nur weil es auf den ersten Blick kompliziert aussieht.“
Digitale Hürden sind Alltag geworden
„Unser Ziel ist es, ältere Menschen dabei zu unterstützen, diese Angebote selbstständig zu nutzen. Die Freiwilligen leisten dabei einen entscheidenden Beitrag: Sie vermitteln Sicherheit, erklären verständlich und stärken digitale Kompetenzen“, erklärt Julia Bergmann, Projektkoordinatorin von ‚Handy, Laptop & Co.‘.
Entscheidend sei, so Bergmann, dass niemand das Gefühl habe, etwas nicht zu können. „Online-Anwendungen sind komplexer geworden. Das betrifft viele Menschen – nicht nur ältere.“ Unterstützung solle begleiten, nicht ersetzen.
Häufig geht es um Online-Anträge, E-Mail-Einstellungen oder zuletzt verstärkt um die ID Austria. „Das Thema Sicherheit ist zentral“, sagt Zoran. „Gerade beim Online-Banking oder bei sensiblen Daten sollte nichts dem Zufall überlassen werden.“ Gleichzeitig stoßen viele an technische Grenzen, wenn ältere Smartphones keine Updates mehr erhalten. Der Umstieg auf ein neues Gerät fällt jedoch nicht leicht – auch hier begleiten die Freiwilligen Schritt für Schritt.
Projekte wie „Handy, Laptop & Co.“ reagieren auf diese Entwicklung nicht mit Schnelllösungen, sondern mit Zeit und mit Menschen, die bereit sind, ihr Wissen weiterzugeben. Derzeit engagieren sich rund 140 Freiwillige regelmäßig im Projekt, zusätzlich haben sich bereits hunderte Schüler:innen im Rahmen von Schulkooperation Zeit für Senior:innen genommen.
Digitale Teilhabe entscheidet darüber, wie selbstständig Menschen ihren Alltag gestalten können. Wer versteht, wie ein Formular funktioniert und wie Dokumente hochgeladen werden, gewinnt Handlungsspielraum zurück. „Es sind oft kleine Schritte“, sagt Zoran, „aber sie machen einen großen Unterschied.“ Und solange dieser Unterschied spürbar ist, wird sein Arbeitstag manchmal ein wenig länger dauern.
Mehr zu Handy, Laptop & Co.
Im Projekt "Handy, Laptop & Co." unterstützen Freiwillige Menschen dabei, sich mit digitalen Medien vertraut zu machen. Besonders wertvoll ist hierbei die Begegnung unterschiedlicher Generationen.