Welt-Alzheimertag: Tageszentren sind unverzichtbarer Teil guter Demenzbetreuung
- Pressemitteilung
„Bei Demenz kann man nichts machen – diese weit verbreitete Meinung stimmt nicht“, sagt Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September. Tagesbetreuung sei ein nachweislich wirksamer Ansatz, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern und den Krankheitsverlauf auszubremsen.
„Gemeinschaft, Bewegung, Singen, Vorlesen, kreatives Gestalten, ein strukturierter und abwechslungsreicher Alltag: All das hilft Menschen mit Demenz, ihre Fähigkeiten länger zu erhalten, aktiv zu bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, so Moser.
Tagesbetreuung steigert Lebensqualität und entlastet Angehörige
Eine Wirkungsanalyse der Tagesbetreuung des Diakoniewerks in Wels, durchgeführt von Master-Studierenden der FH Oberösterreich, zeigt positive Effekte auf soziale Teilhabe, Demenzverlauf und Lebensqualität. Menschen erleben Gemeinschaft statt Isolation und können durch Erhalt ihrer Fähigkeiten länger in ihrem vertrauten Umfeld leben.
Auch Angehörige profitieren: 89 Prozent der Befragten berichten von emotionaler oder zeitlicher Entlastung, 68 Prozent gewinnen mehr Zeit für sich selbst. Tagesbetreuung erleichtert zudem die Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung.
„Und die Wirkung reicht bis ins Pflege- und Sozialsystem“, unterstreicht Moser: „Tagesbetreuung kann Heimeintritte verzögern.“ Die Wirkungsanalyse beziffert die geringeren Kosten für die öffentliche Hand bei einem um sechs Monate späteren Heimeintritt mit rund 19.700 Euro pro Person.
„Was Menschen mit Demenz guttut, ist auch vernünftig für das Budget“, betont die Diakonie Direktorin. „Wer bei präventiven Angeboten spart, riskiert später höhere Kosten.“
Wohnort entscheidet über Angebot und Kosten
Rund 260 Tageszentren gibt es in Österreich. Verfügbarkeit und Kosten unterscheiden sich regional erheblich: Je nach Wohnort kostet Tagesbetreuung für dieselbe Person zwischen 25 und 80 Euro täglich. Und nicht alle Zentren stehen auch Menschen mit einer Demenz offen.
„Ob ein Mensch mit Demenz ein Tageszentrum regelmäßig besuchen kann, darf nicht von der Postleitzahl und vom Geldbörsel abhängen“, kritisiert Moser. „Zwei bis drei Tage Tagesbetreuung pro Woche müssten österreichweit für alle leistbar sein.“
Diakonie fordert Ausbau und Leistbarkeit
Die Diakonie fordert vier Verbesserungen:
- Verfügbar: Österreichweiter Ausbau mit ausreichend demenzgerechten Angeboten und vergleichbarer regionaler Versorgungsdichte.
- Zugänglich: Organisatorisch und finanziell gesicherter Transport sowie bessere Information durch Beratungsstellen, Gesundheitsberufe und Krankenhäuser.
- Leistbar: Ein österreichweiter Kostenkorridor soll zwei bis drei Betreuungstage pro Woche ermöglichen und zugleich die kostendeckende Führung gemeinnütziger Tageszentren sichern.
- Demenz-Kompetenz: Tageszentren brauchen qualifiziertes Personal und entsprechende Finanzierung für die Begleitung und die Beratung Angehöriger.
„Wir wissen, dass Tagesbetreuung wirkt. Jetzt muss die Pflegepolitik die Konsequenzen daraus ziehen“, so Moser abschließend. „Tageszentren sind ein unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsfähigen Langzeitpflege. Sie müssen verfügbar, zugänglich und leistbar sein – und sie müssen Kompetenzzentren für Demenz sein.“
Autor:innen
Dr.in Roberta Rastl-Kircher
KommunikationPressesprecherin & Medienarbeit