Anna ermöglicht Menschen mit Demenz Begegnungen mit der Jugend
- Story
Leben mit Demenz: Begegnungen ermöglichen
Manchmal genügt ein Ball, ein Lied oder eine Frage nach der Kindheit, damit Menschen mit Demenz aufblühen und Erinnerungen lebendig werden. Genau das erlebt Anna Kampl, Seelsorgerin in den Hausgemeinschaften Erdbergstraße, immer wieder.
Es geht Anna vor allem darum, Begegnungen zu ermöglichen – zwischen Jung und Alt, zwischen Erinnerungen und Gegenwart. Als Pfarrerin der Evangelischen Pfarrgemeinde Wien-Simmering ist sie rund vier Stunden pro Woche als Seelsorgerin in den Hausgemeinschaften Erdbergstraße unterwegs. Sie bringt Menschen zusammen, die den Alltag der Bewohner:innen bereichern.
Den Alltag von Menschen mit Demenz bereichern
Besonders wertvoll sind für sie die Begegnungen mit den Schüler:innen des Evangelischen Gymnasiums, das sich im selben Gebäude befindet. Gemeinsam sprechen sie über Themen wie Weihnachten, Muttertag oder andere Feste.
Am Anfang erzählen die Jugendlichen, wie sie diese Tage heute erleben. Anschließend sind die Bewohner:innen eingeladen, von ihren eigenen Erinnerungen zu berichten.
Gerade Erlebnisse aus Kindheit und Jugend sind für viele Menschen mit Demenz noch gut erreichbar. So entstehen Gespräche zwischen Generationen, die beide Seiten bereichern.
Mehrmals im Jahr gestalten außerdem Schüler:innen der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule diese Treffen musikalisch. Die Musik schafft eine ruhige Atmosphäre. Sie weckt Erinnerungen und lädt die Bewohner:innen dazu ein, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.
Musik macht, dass Menschen mit Demenz beginnen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen
Auch gemeinsame Erlebnisse außerhalb der Hausgemeinschaften schaffen besondere Momente. Ein Kaffeehausbesuch, ein Spaziergang oder ein Ausflug zu einem kleinen Christkindlmarkt in der Nachbarschaft sprechen die Sinne an. Der Duft von Kaffee oder Punsch, der Geschmack eines Eises oder vertraute Melodien wecken Erinnerungen und schenken Freude. „Es muss nichts Großartiges sein“, sagt Anna Kampl. Oft sind es gerade die einfachen Augenblicke, die Menschen mit Demenz erreichen.
Wie unerwartet Begegnungen entstehen können, zeigt eine Begebenheit bei einem Spaziergang. Eine paar spielende Kinder fragten spontan, ob sie mit einer Bewohnerin Ball spielen dürfen. Aus diesem kurzen Moment entwickelte sich eine regelmäßige Verbindung. Heute besuchen die Kinder gemeinsam mit Anna Kampl die Hausgemeinschaften, verbringen Zeit mit Bewohner:innen und erleben ganz selbstverständlich, wie bereichernd diese Begegnungen für beide Generationen sind.
Menschen mit Demenz brauchen vor allem Zeit, Aufmerksamkeit und echte Begegnungen
Für Anna Kampl zeigt sich darin eine wichtige Erfahrung: Menschen mit Demenz brauchen vor allem Zeit, Aufmerksamkeit und echte Begegnungen. Oft ist es ein einfaches Lied, das Erinnerungen weckt, oder ein vertrauter Duft, ein gemeinsamer Spaziergang oder die neugierige Frage eines Kindes.
Vieles, was Begegnung möglich macht, ist bereits da – man muss den Menschen nur die Gelegenheit geben, sie zu erleben.