Altersteilzeit in der Fördergruppe

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30. März 2026
Seit fast 20 Jahren lebt Gerhard Bachinger im Wohnhaus des Diakoniewerks in der Leopold-Pfest-Straße in Salzburg. Seit einiger Zeit genießt er seine individuelle Altersteilzeit in der Fördergruppe.

Gerhard Bachinger sitzt im Therapie-Raum und nascht genüsslich Schokokugeln. Er überbrückt die Wartezeit, denn seine Besucherin verspätet sich. Leider. Für Gerhard Bachinger ist das gar nicht so einfach auszuhalten. Als Mensch im Autismus-Spektrum ist für ihn ein klarer Tagesablauf mit fixen Uhrzeiten besonders wichtig. Verzögerungen oder Abweichungen vom Vereinbarten bringen ihn schnell aus dem Gleichgewicht.

Doch heute kann er gut damit umgehen. Er muss zum Glück nicht allein warten. Wohnbereichsleiterin Martina Arbeitstein-Haas plaudert mit ihm, bis der Besuch kommt.

Der Wunsch, mitzuwirken

Seit 2008 lebt Gerhard Bachinger im Wohnhaus Leopold-Pfest-Straße. Dort geht er vormittags noch immer seiner Arbeit in der Fördergruppe nach. Und das, obwohl er heuer 67 Jahre alt wird. Er mag seine Aufgaben, spaltet Holz und zerkleinert Papier. Daraus werden Grillanzünder hergestellt.

Ganz aufzuhören und sozusagen in Pension zu gehen, wollte er bisher nicht. Wobei das rein rechtlich gesehen auch nicht möglich wäre. Menschen mit Behinderungen, die in Werkstätten arbeiten, sind von arbeitsrechtlichen Ansprüchen wie Pension oder Altersteilzeit ausgeschlossen. Dennoch hat sich das Leitungsteam in der Leopold-Pfest-Straße dazu entschlossen, ihm seine ganz individuelle Altersteilzeit zu ermöglichen. Ein Tag weniger pro Woche in der Fördergruppe tut ihm gut. Da es am gleichen Areal ist, kann Gerhard Bachinger den Weg allein bewältigen. „Gerhard ist sehr selbstständig. Es ist wichtig für ihn, dass die Dinge jeden Tag gleich sind, dann kommt er gut zurecht. Darauf nehmen wir im Alltag und in der Begleitung bestmöglich Rücksicht“, erklärt Martina Arbeitstein-Haas.

Alltag mit Autismus gut gestaltbar

Ein Leben im Autismus-Spektrum ist für jeden Betroffenen unterschiedlich. Gerhard Bachinger ist in seiner Kommunikation eingeschränkt, auch fällt ihm die Beziehungsgestaltung zu anderen schwerer. Dennoch ist er gerne dabei, wenn sich etwas in der Wohngruppe tut.

Er spielt gerne mit bei ‚Mensch ärgere dich nicht‘. Auch bei Ausflügen oder Spaziergängen ist er gerne dabei – gibt es doch meistens auch Kuchen oder ein Eis. „Sitzen und zuschauen“, antwortet er auf die Frage, was er am liebsten macht. Ihm entgeht nichts. „Gerhard ist ein guter Beobachter. Wenn es ihm zuviel wird und er schnell Ruhe braucht, steht er auf und geht einfach. Das wissen auch die anderen Bewohner:innen und verstehen das“, weiß Martina Arbeitstein-Haas.

Ob individuelle Altersteilzeit, ausreichend Ruhephasen oder fixe Abläufe im Alltag: In der Begleitung von Menschen mit Behinderungen geht es nicht um starre Lösungen. Es geht um Angebote, die zu ihrem Leben, ihren Gewohnheiten und Bedürfnissen passen.