„Ich versuche, Grenzen zu verschieben“ – Im Gespräch mit Lukas Müller
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Lukas Müller war Skispringer auf internationalem Niveau und war drei Mal Juniorenweltmeister. Im Jänner 2016 stürzte er als Vorspringer bei der Skiflug-WM am Kulm schwer und ist seitdem querschnittsgelähmt. Heute ist er Botschafter des "Wings for Life World Run" und arbeitet als Vermögensberater.
Vom Sturz zur neuen Lebensperspektive
Im Podcast lässt Müller seinen Sturz und die Zeit danach Revue passieren. In den ersten Momenten nach dem Aufschlag am Boden habe er probiert sich auf den Bauch zu drehen und als das nicht funktionierte, sei ihm schnell klar geworden, dass etwas nicht stimmte. Entweder habe er sich noch im Schock befunden oder er stand am Beginn einer langen Reise. Letzteres sollte sich bestätigen.
Im Krankenhaus musste er schließlich selbst erfragen, ob er nun querschnittsgelähmt sei. „Das ist so dieser Moment wie in der Schule, wenn du die Schularbeit komplett verhaust, du hoffst trotzdem auf einen Vierer, dann kriegst du sie zurück und hast einen kapitalen Fetzen bekommen. Also so kann man das ungefähr vergleichen und das war natürlich nicht angenehm“, erinnert er sich.
Kurz darauf erhielt er von einem Arzt einen wertvollen Rat, der ihm half, positiv zu bleiben: Er habe einen funktionierenden Kopf und zwei halbwegs funktionierende Hände. Allein damit könne man ein ziemlich normales Leben führen. Heute bezeichnet Lukas Müller diese Worte als den wertvollsten Rat, den er je bekommen hat.
Seitdem hat sich außerdem seine Lebenseinstellung verändert. Müller freut sich auch über die kleinen Momente und Meilensteine, die für Außenstehende oft unsichtbar sind. „Ich kann selbst Dinge, die für die Umwelt vielleicht negativ ausschauen, für mich positiv sehen. Und immer wieder suche ich teilweise schon automatisch nach Aspekten, die vielleicht gut sind“, erzählt der ehemalige Skispringer.
Sport als Schlüssel für Körper und Geist
Sport ist nach wie vor ein sehr wichtiger Bestandteil in Lukas Müllers Leben. Unter anderem spielt er Rollstuhlrugby, macht Kraftsport und fährt Ski. Im Podcast gibt er zu, wenn er sich schon ein paar Tage nicht sportlich betätigt, wird er unrund und bekommt ein schlechtes Gewissen. Dieses Sportler-Mindset hat ihm auch nach seinem Sturz beispielsweise bei der Physiotherapie geholfen. Er sieht hier Sport als großen Startvorteil, sowohl körperlich als auch mental. Jedoch bezieht er sich nicht nur auf den Profisport, sondern jede regelmäßige sportliche Tätigkeit kann helfen. „Es ist eigentlich nur wichtig, dass du deinen Körper halbwegs gut kennst. Und den Körper lernst du genau dann gut kennen, wenn du ein bisschen sportlich tätig bist, denn das trainiert den Geist mit, ob du willst oder nicht“, erklärt Müller.
Vom Sport geht das Gespräch weiter zu Lukas Müllers Rolle als Botschafter des "Wings for Life World Run". Dies liegt ihm sehr am Herzen, denn Wings for Life fördert Projekte, die Rückenmarksverletzungen heilbar machen sollen. Außerdem nutzt er diese Rolle, um auf unsichtbare Aspekte einer Querschnittslähmung aufmerksam zu machen. Dazu gehören sowohl körperliche als auch mentale und gesellschaftliche Aspekte.
Seit mehreren Jahren arbeitet Müller als Vermögensberater. Die Ausbildung begann er bereits vor seinem Sturz und beendete sie später. Der Alltag besteht hauptsächlich aus Anrufen, Terminen und Gesprächen. „Das klingt sehr banal, aber das ist ein Bereich, der äußerst sensibel ist, weil ich doch über Dinge spreche, bei denen Herr und Frau Österreicher sich manchmal noch ein bisschen überwinden müssen. Und ob ich jetzt steh oder sitz – Berater sein kann ich so oder so“, meint Müller.
Barrierefreiheit in Österreich
Zum Ende des Gesprächs äußert Lukas Müller seine Meinung zur Barrierefreiheit in Österreich. Laut ihm habe sie sich in den letzten zehn Jahren zwar gut weiterentwickelt, aber Baustellen gäbe es immer noch viele. Er setzt sich ebenfalls aktiv für dieses Thema ein. So spricht er zum Beispiel mit der Salzburger Sozialstadträtin über Barrierefreiheit. „Ich stelle dann Fragen wie ‚Sind Sie schon einmal im Rollstuhl gesessen?‘ und so weiter und so fort. Weil wenn man mal selbst drinnen sitzt und dann ein bisschen durch die Stadt fährt, dann merkt man erst, welche kleinen Hindernisse manchmal zum Problem werden können.“
Ein herzliches Dankeschön an Lukas Müller für seine Offenheit und an das Diakoniewerk in Salzburg für die Gastfreundschaft und die Möglichkeit, die Aufnahme in ihren Räumlichkeiten durchzuführen.
Die neue Podcastfolge ist ab heute auf Spotify und allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar: Hier geht es zur Folge!