Gesundheit ist mehr als Medizin: Wie die Diakonie Menschen im Alltag stärkt
- Story
Wenn die Freude auf ein Baby von Angst begleitet wird
Eine 28-jährige Frau ist schwanger. Bald wird sie zum ersten Mal Mutter. Doch statt sich nur auf ihr Baby zu freuen, macht sie sich große Sorgen. Was passiert, wenn ihr Kind zu früh auf die Welt kommt? Wie wird die Geburt verlaufen? Und wie soll sie die neue Situation meistern?
Medizinisch ist alles in Ordnung. Ihr Frauenarzt bestätigt, dass sich das Baby gut entwickelt. Trotzdem bleiben die Ängste.
Im Gesundheitszentrum der Diakonie (PVE) in Telfs findet die junge Frau jemanden, der ihr zuhört. In mehreren Gesprächen bekommt sie Hilfe bei Fragen, die über die medizinische Betreuung hinausgehen.
Wo möchte sie ihr Kind zur Welt bringen? Wie findet sie eine Hebamme? Welche Geburtsvorbereitungskurse gibt es in ihrer Nähe? Und was braucht ein Neugeborenes in den ersten Wochen? Gemeinsam werden Antworten gesucht. Die werdende Mutter erfährt auch, wie sie schon während der Schwangerschaft eine enge Beziehung zu ihrem Baby aufbauen kann. Sie bekommt Informationen darüber, welche Unterstützung es nach der Geburt gibt und welche Behördengänge notwendig sind.
Die Gespräche helfen ihr, sich auf das neue Leben mit ihrem Kind vorzubereiten.
Ende August ist es so weit: Das Baby kommt gesund zur Welt. Mutter und Kind geht es gut. Es ist das erste Baby, dessen Familie im Gesundheitszentrum Telfs auf diese Weise begleitet wurde.
Wenn jemand, der immer für andere da ist, selbst Hilfe braucht
Herr P. ist 82 Jahre alt. Er kümmert sich zu Hause um seine Frau, die an Demenz erkrankt ist, und im Alltag viel Unterstützung braucht. Herr P. ist rund um die Uhr für sie da. Er hilft ihr, organisiert den Alltag und sorgt dafür, dass es ihr gut geht.
Doch auch er selbst hat gesundheitliche Probleme. Als er deswegen eine Ärztin im Gesundheitszentrum aufsucht, wird schnell klar: Er braucht eigentlich eine längere medizinische Behandlung im Krankenhaus.
Aber Herr P. möchte nicht ins Krankenhaus. Wer würde sich in dieser Zeit um seine Frau kümmern?
Die Ärztin erkennt, dass seine gesundheitlichen Probleme nicht getrennt von seiner Lebenssituation betrachtet werden können. Deshalb vermittelt sie ihn an die Sozialberatung im Gesundheitszentrum. Dort wird gemeinsam überlegt, welche Hilfe das Ehepaar braucht. Herr P. erfährt, welche Pflegeangebote seine Frau betreuen könnten, während er selbst behandelt wird. Auch für die Zeit danach werden Möglichkeiten gesucht, die ihn entlasten.
Denn im Gespräch zeigt sich noch etwas: Herr P. hat kaum Zeit für sich selbst. Freunde treffen, etwas unternehmen oder einfach einmal abschalten – dafür bleibt neben der Pflege wenig Raum.
Dabei hat er eine große Leidenschaft: seinen Garten. Die Sozialberatung stellt deshalb auch den Kontakt zu einem Gartenverein her. Dort kann Herr P. Menschen kennenlernen, sich austauschen und seinem Hobby nachgehen.
So bekommt nicht nur seine Gesundheit mehr Aufmerksamkeit. Auch sein eigenes Leben soll wieder mehr Platz haben.
Gesundheit und Soziales gehören zusammen
Was haben die junge Mutter und Herr P. gemeinsam? - Beide brauchen mehr als einen Arzttermin. Die junge Frau braucht Sicherheit und Unterstützung für ihren neuen Lebensabschnitt. Herr P. braucht Hilfe bei der Pflege seiner Frau, damit er sich auch um seine eigene Gesundheit kümmern kann. Genau hier setzen die Gesundheitszentren der Diakonie an.
In den Gesundheitszentren arbeiten deshalb Menschen aus unterschiedlichen Berufen zusammen. Medizinische Versorgung und soziale Beratung greifen ineinander.
Denn Gesundheit hängt nicht nur davon ab, ob wir krank sind oder welche Medikamente wir bekommen. Auch unsere Sorgen, unsere Familie, unsere Wohnsituation und unsere Kontakte zu anderen Menschen spielen eine wichtige Rolle.