Inklusive Schule wirkt

  • Pressemitteilung
21. Oktober 2026
Vergleichende Analyse von Lebenshilfe, Inklusion Österreich und Diakonie zeigt Handlungsbedarf in allen Bundesländern

„Inklusive Bildung ist die bessere Bildung – für alle Kinder. Und sie funktioniert bereits dort, wo Ressourcen, Unterstützung und Haltung zusammenpassen“, betonen Lebenshilfe, Inklusion Österreich und Diakonie anlässlich der Veröffentlichung ihrer Analyse, die strukturelle Lücken aufzeigt.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Die drei Organisationen haben die Bundesländer unter anderem danach verglichen,

  • wie viele der rund 5% Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) inklusiv beschult werden,
  • wie Schulassistenz geregelt ist,
  • wie die Ressourcen zwischen Sonderschulwesen und inklusiver Bildung verteilt sind und
  • wie oft Suspendierungen vorkommen.

Rückschritte und Überforderung im System Schule

Österreich hat sich 2008 mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, ein inklusives Schulsystem zu schaffen, in dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen. Fast zwei Jahrzehnte später ist dieses Versprechen nicht eingelöst. Im Schuljahr 2024/25 hatten 31.411 Kinder und Jugendliche einen sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF). Mehr als ein Drittel von ihnen, 36,6 Prozent, besuchte eine Sonderschule.

Ob ein Kind gemeinsam mit anderen lernt, hängt vor allem davon ab, wo es lebt. Der Anteil der inklusiv unterrichteten Kinder reicht je nach Bundesland von 84 Prozent bis 43 Prozent. „Das ist eine Wohnortlotterie“, konstatieren die Autor:innen Der Bericht vergleicht erstmals systematisch, wie die neun Bundesländer schulische Inklusion umsetzen. Er stützt sich auf Daten der Statistik Austria, auf Auskünfte der neun Bildungsdirektionen und auf Erfahrungsberichte von Familien, Expert:innen und Lehrkräften.

Der schulische Lernort macht einen Unterschied

Obwohl bislang nur wenige Daten zu Bildungs- und Berufswegen junger Menschen mit Behinderungen vorliegen, zeigen Studien deutliche Unterschiede. In Österreich ist zwei Jahre nach dem Verlassen der Sonderschule mehr als die Hälfte der Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ohne Anschluss an Bildung, Arbeit oder Unterstützungsangebote.

Unter Jugendlichen mit demselben Förderstatus aus Regelschulen betrifft das nur etwas mehr als ein Viertel. Auch deutsche Daten zeigen eine deutliche Kluft: Zwei Jahre nach Ende der 9. Klasse sind nur gut ein Viertel der ehemaligen Förderschüler:innen in regulärer Berufsausbildung – gegenüber knapp der Hälfte der Jugendlichen aus Regelschulen.

Das bisherige Datenmonitoring reicht jedoch nicht aus: Bildungs- und Berufswege junger Menschen mit Behinderungen müssen systematischer erfasst werden, um inklusive Bildung evidenzbasiert weiterzuentwickeln.

Datenlücken verhindern gezielte Reformen

Die Analyse legt insgesamt gravierende Daten- und Transparenzlücken offen, und die Daten, die von Statistik Austria und den Bundesländern selbst veröffentlicht werden, sind oft widersprüchlich und schwer vergleichbar. „Wer inklusive Bildung gestalten will, braucht verlässliche Daten. Es kann nicht sein, dass wir zentrale Informationen zur Steuerung eines ganzen Systems … so schwer zu bekommen und diese dann so wenig brauchbar sind“, so die Organisationen.

Gute Rahmenbedingungen lassen Inklusion gelingen

Trotz vieler belastender Fallgeschichten von betroffenen Kindern und Familien zeigt der Bericht aber auch klar: „Überall dort, wo die Rahmenbedingungen gut sind, gelingt Inklusion – und zwar nicht nur für Kinder mit Behinderungen, sondern für alle“, heißt es von den Organisationen. In Klassen, in denen Kinder mit SPF überwiegend inklusiv lernen, profitieren alle von vielfältigen Lerngruppen, gemeinsamer Verantwortung und einem Unterricht, der Vielfalt als Chance versteht.

Klare Forderungen an Politik und Verwaltung

„Für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen darf gemeinsames Lernen deshalb nicht mit der Pflichtschule enden“, sind sich alle einig, und fordern deshalb:

„Wir brauchen

  • ein inklusives Bildungssystem ohne separates Sonderschulwesen,
  • die klare Umverteilung der Ressourcen hin zu inklusiven Regelschulen,
  • bundesweit einheitliche Standards,
  • eine verbesserte Datenlage
  • und vor allem eines: ein klares Bekenntnis zur inklusiven Bildung und eine Haltung, die die strukturelle Diskriminierung beendet.“

„Ziel muss sein, dass jedes Kind entsprechend seinem Unterstützungsbedarf wohnortnah inklusiv lernen könne – ohne Aussonderung aufgrund einer Behinderung“, so die Vertreter:innen von Lebenshilfe, Inklusion Österreich und Diakonie Österreich.

Cover des Berichtes "Schulische Inklusion in Österreich 2026"

Schulische Inklusion in Österreich 2026

Der Wohnort entscheidet über Teilhabe: Schulische Inklusion in  Österreich im Bundesländervergleich

Downloaden Sie den Bericht

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Ihre Ansprechperson zu dieser Pressemitteilung

Dr.in Roberta Rastl-Kircher
Pressesprecherin & Medienarbeit