Schulstart: 1400 Euro Schulkosten im Jahr, in der Oberstufe sogar 1690 Euro

  • Pressemitteilung
21. August 2023
Teuerung und Krise: Gemeinsamer Einkauf, Schulausgleichsfonds, Förderunterricht, Ganztagsschule und Chancenindex würden helfen

„52.000 Volksschulkinder und 81.000 Kinder in der Unterstufe leben in einkommensarmen Haushalten“1, warnt der Sozialexperte der Diakonie Österreich, Martin Schenk, vor schlechten Startbedingungen für viele Kinder am Schulanfang. „Schultasche, Sportbeutel, Hefte, Stifte, Malfarben und Handarbeitskoffer... - schon ein einfaches Startparket für die Schule kann 100 bis 300 Euro kosten. Hinzu kommen noch zusätzliche Kosten. Je nach Schultyp und Schulstufe müssen zum Beispiel Kopierkosten, Milchgeld oder auch Projekt- und Wandertage sowie Elternvereinsbeiträge finanziert werden. All das macht laut letzter Schulkostenstudie durchschnittlich 1400 Euro Gesamtausgaben für Volksschule und Unterstufe aus, für die Oberstufe sind es 1690 Euro.“2

Nachhilfe benachteiligt einkommensschwache Familien

„Wenn an der Schule ein guter Förderunterricht organisiert ist, dann kann der Druck auf privat finanzierte Nachhilfe deutlich gesenkt werden. Wenn es eine gute verschränkte Ganztagsschule gibt, dann reduziert sich die bezahlte Nachhilfequote weiters – zu Gunsten der Chancen armutsbetroffener Kinder“, analysiert Martin Schenk.
20 Prozent aller Eltern würden für ihr Kind gern Nachhilfe bekommen, viele davon (40%) können sich diese aber nicht leisten, das betrifft immerhin 200.000 Schüler:innen. Für Nachhilfe gaben Eltern 2022 im Mittel 630 Euro pro Schulkind aus, 2023 stiegen die Ausgaben auf 720 Euro an. „Die Teuerung hat hier kein neues Problem aufgezeigt, sondern ein altes verschärft“, sagt Sozialexperte Schenk. Schon in den vergangenen Jahren hatten Eltern den Wunsch, bezahlte Nachhilfe für ihre Kinder zu bekommen, eine solche aber nicht erhalten. „Auch berichten vier von zehn Eltern, dass sie fachlich nicht mehr helfen können oder von der Materie überfordert sind.“3

Die hohen Nachhilfekosten und auch der große Aufwand außerschulischer Lernbetreuung zeigen, dass in der Schule zu wenig gelernt wird – also geübt, verfestigt, trainiert, vertieft. Das gehört eigentlich zu den pädagogischen Kernkompetenzen der Schule.

Gemeinsam Einkaufen und Schulausgleichsfonds umsetzen

Schulen könnten gemeinsam Schulmaterialien für ihre Schüler:innen einkaufen und damit günstigere Preise für die Schulsachen aushandeln. Diese Möglichkeit sollte vom Ministerium und den Bildungsdirektionen genützt werden, um die Kosten zu senken.
Im Rahmen der Corona-Hilfen wurde ein Geldtopf in der Höhe von 6,8 Millionen Euro für die Unterstützung von Schulveranstaltungen geschaffen. Daraus könnte die Regierung einen Schulausgleichsfonds gestalten, der zukünftig bei einkommensschwachen Schülern:innen die hohen Kosten bei Schulreisen und Schulveranstaltungen mitträgt. 

Flächendeckend Chancenindex für benachteiligte Schulstandorte: Jetzt!

Für einige Schulen beginnt das dritte Schuljahr mit dem sogenannten Chancenindex. Dieser sorgt dafür, dass Schulen an benachteiligten Standorten zusätzlich unterstützt werden. Dass ein gut umgesetzter Chancenindex funktioniert, und die Bildungschancen unserer Kinder erhöht, zeigen viele internationale Beispiele - man braucht nur nach Hamburg, in die Niederlande oder auch nach Kanada zu schauen.
Aber: So, wie er jetzt in Österreich umgesetzt werden soll, muss man leider von einem Chancenindex light sprechen. Das Projekt ist nämlich auf bloß 100 Schulen beschränkt und befristet. Diakonie Sozialexperte Martin Schenk: „Hier verschwendet die Regierung wertvolle Zeit. Es braucht eine flächendeckende Einführung des Chancenindex in ganz Österreich.“ Wichtig ist außerdem: Ein richtiger Chancenindex bedeutet, dass benachteiligte Schulstandorte zusätzlich Mittel erhalten, um Schüler:innen zu fördern.

Sozialstaatliche Unterstützung

Im September kommt wie jedes Jahr 100 Euro Schulstartgeld auf die Konten der Familien schulpflichtiger Kinder. Sie ist das Überbleibsel der vor zehn Jahren gestrichenen 13. Familienbeihilfe. Für Kinder in der Mindestsicherung bzw. Sozialhilfe sind fürs gesamte Schuljahr zweimal 150 Euro vorgesehen. In manchen Bundesländern gibt es die Möglichkeit einer eigenen Schulstarthilfe. „Alle Schülerinnen und Schüler sollen gleiche Möglichkeiten haben, prinzipiell und gerade jetzt in Teuerungszeiten“, so die Diakonie abschließend.

1 Statistik Austria (2023): EU SILC 2022
2 SORA (2021): Schulkostenstudie 2020/21
3 IFES (2022 und 2023): Nachhilfebarometer

Falls Sie Kindern mit einer Spende helfen können:

Zur Akuthilfe für Kinder hat die Diakonie ein Spendenkonto eingerichtet. Hier online spenden

Ihre Ansprechperson zu dieser Pressemitteilung

Dr.in Roberta Rastl-Kircher
Pressesprecherin & Medienarbeit