Inklusive Erwachsenenbildung: Lernen ohne Barrieren in der Leichter Lernen Akademie
- Story
Menschen mit Behinderungen sind häufig von eingeschränkten Bildungsmöglichkeiten betroffen. Das gilt nicht nur für das Regelschulsystem, in dem es nach wie vor an Barrierefreiheit und durchgängiger Inklusion fehlt, sondern auch für die Erwachsenenbildung. Denn auch hier gibt es oft zu wenige geeignete Fort- und Weiterbildungsangebote.
Neben ihrem allgemeinen Fort- und Weiterbildungsprogramm für den Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich hat die Akademie de La Tour deshalb die Leichter-Lernen-Akademie geschaffen. Im Mittelpunkt stehen neue Kenntnisse und Fähigkeiten, persönliche Interessen und die Freude am gemeinsamen Lernen.
Claudia Natmeßnig, Leiterin der Akademie de La Tour, erklärt: „In der Leichter-Lernen-Akademie gestalten wir Bildung ohne Barrieren: mit Respekt, Mut und der Überzeugung, dass jeder Mensch Fähigkeiten hat, die die Welt braucht und die zu einem wertschätzenden Miteinander in unserer Gesellschaft beitragen. Wir fragen nicht, was nicht geht, sondern entdecken gemeinsam, was möglich ist. Gemeinsam machen wir Bildung leicht, freudvoll und für alle – heute und in Zukunft.“
Das Kursprogramm ist vielfältig. Es reicht von Theaterworkshops, Koch-, Tanz- und Computerkursen über Achtsamkeits- und Entspannungstrainings, Handarbeits- und Malkurse sowie Gartenworkshops bis hin zu gemeinsamen Wanderungen.
In der Leichter-Lernen-Akademie gestalten wir Bildung ohne Barrieren: mit Respekt, Mut und der Überzeugung, dass jeder Mensch Fähigkeiten hat, die die Welt braucht und die zu einem wertschätzenden Miteinander in unserer Gesellschaft beitragen. Wir fragen nicht, was nicht geht, sondern entdecken gemeinsam, was möglich ist.
Erste Hilfe lernen und selbstständig handeln
Ein besonders beliebtes Angebot im jährlichen Kurskalender ist der Erste-Hilfe-Kurs. Seit drei Jahren leitet Beatrix Unterköfler die Schulung, die speziell auf Menschen mit Behinderungen und ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Von ihr stammt auch die Idee für dieses Angebot.
„Ich arbeite seit rund 15 Jahren mit Menschen mit Behinderungen und begleite sie im Alltag. Als ich in einer intensiv betreuten Wohngemeinschaft tätig war, waren wir Mitarbeitenden häufig allein im Dienst. Da habe ich mich gefragt, was passiert, wenn der Betreuungsperson etwas zustößt – und ob die Menschen, die wir begleiten, dann selbst Hilfe holen könnten.“
Aus dieser Überlegung entwickelte die ausgebildete Rettungssanitäterin, die bis zur Geburt ihrer Kinder bei den Johannitern im Rettungsdienst tätig war und heute für die Organisation als Lehrbeauftragte im Einsatz ist, einen Erste-Hilfe-Kurs. Darin lernen Menschen mit Behinderungen, wie sie in einer Notfallsituation reagieren und selbstständig Hilfe holen können.
Inzwischen bietet Beatrix Unterköfler den Kurs seit drei Jahren im Rahmen der Leichter-Lernen-Akademie der Diakonie de La Tour an. Die Nachfrage ist groß, pro Termin können höchstens acht Personen teilnehmen. „Es ist wichtig, sich sehr genau auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden einzustellen und allen ausreichend Raum zu geben. Ein klassischer Frontalunterricht, wie man ihn vielleicht aus einem herkömmlichen Erste-Hilfe-Kurs kennt, funktioniert hier nicht“, erklärt die Kursleiterin. Stattdessen wird gemeinsam ausprobiert, was für die einzelnen Teilnehmenden möglich ist und welche Voraussetzungen sie mitbringen. „Wir tüfteln gemeinsam aus, wie jemand eine stabile Seitenlage durchführen oder bei einer Wiederbelebung helfen kann. Auch bei eingeschränkter Mobilität finden wir meist eine Möglichkeit, aktiv zu werden.“
Erste-Hilfe ist sehr notwendig! Wenn was passiert bei der Küchenarbeit, auf der Straße oder wenn einem schlecht wird, kann ich helfen. Gut zureden, verbinden, wenn keine Betreuer da sind. Ich möchte regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse machen! Ich habe viel gelernt.
Lernen im eigenen Tempo
Besonders beeindruckt Beatrix Unterköfler immer wieder die große Begeisterung der Kursteilnehmenden. Genau das unterscheide dieses Angebot auch von vielen klassischen Erste-Hilfe-Kursen, erzählt sie. „Die Teilnehmenden sind sehr aufmerksam und strahlen, wenn sie selbst etwas ausprobieren und praktisch umsetzen können. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie viel Freude sie dabei haben.“ Ein besonderer Moment ist für sie, wenn die Teilnehmenden selbst einen Notruf absetzen. „Dann zeigt sich, dass viele ganz genau wissen, was zu tun ist und welche Informationen wichtig sind.“
Die Ausbildung stärkt auch das Selbstvertrauen der Teilnehmenden. Das zeigt sich unter anderem daran, dass manche den Kurs ein zweites oder sogar drittes Mal besuchen.
Auch Teilnehmerin Rosemarie Mittermaier hat das vor. Sie arbeitet im inklusiven Akademie:Café und hat den Erste-Hilfe-Kurs heuer absolviert: „ Erste-Hilfe ist sehr notwendig! Wenn was passiert bei der Küchenarbeit, auf der Straße oder wenn einem schlecht wird, kann ich helfen. Gut zureden, verbinden, wenn keine Betreuer da sind. Ich möchte regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse machen! Ich habe viel gelernt.“
Akademie de La Tour
Die Akademie de La Tour bietet vielfältige Aus-, Fort- und Weiterbildungen für den Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich. Die praxisnahen Angebote richten sich an Menschen, die sich fachlich weiterentwickeln, neue berufliche Perspektiven erschließen oder ihr Wissen vertiefen möchten. Mit inklusiven Formaten wie der Leichter Lernen Akademie schafft sie außerdem Bildungsangebote für Menschen mit besonderem Lernbedarf.