Kompetenzen sichtbar machen: Lernen im Arbeitsalltag im Kulinarium Kitzbühel

  • Story
23. März 2026
Im Kulinarium Kitzbühel arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam in der Küche. Mit der Methode KomKom wird sichtbar, welche Fähigkeiten Mitarbeitende bereits im Arbeitsalltag erworben haben und welche Entwicklungsschritte möglich sind. Das schafft Orientierung, stärkt Selbstvertrauen und eröffnet neue Perspektiven für den weiteren Berufsweg.

Arbeiten und lernen im Küchenalltag

Patrick Wurzrainer arbeitet im Kulinarium Kitzbühel dort mit, wo im Küchenalltag viele Handgriffe ineinandergreifen. Er schneidet Gemüse, hilft beim Kochen, bereitet Speisen vor und übernimmt Aufgaben im Team. Wie die anderen Mitarbeitenden ist auch er in die Abläufe der Großküche eingebunden. Dabei geht es nicht nur darum, mitzuarbeiten, sondern auch darum, Neues zu lernen und die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Seit einigen Monaten nutzt das inklusive Team im Kulinarium dafür auch die Methode KomKom. Mit dieser Methode können Menschen mit Behinderungen sichtbar machen, was sie im Arbeitsalltag bereits können. Gleichzeitig hilft sie dabei, Kompetenzen Schritt für Schritt weiter auszubauen und diese auch offiziell anerkennen zu lassen.

„Mir gefällt an KomKom, dass Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit haben, einen offiziellen Abschluss zu machen“, sagt Lisa Edenhauser, agogische Mitarbeiterin im Kulinarium Kitzbühel. Sie begleitet Menschen mit Behinderungen im Arbeitsalltag.

Eine App zeigt vorhandene Fähigkeiten und Lernschritte

Im inklusiven Gastronomiebetrieb der Diakonie arbeiten neun Menschen mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten. Sie übernehmen ganz unterschiedliche Aufgaben in der Küche, beim Abwasch oder auch bei der Auslieferung von Speisen.

KomKom unterstützt sie dabei, die im Arbeitsalltag erworbenen Kompetenzen zu erfassen und auszuwerten. Grundlage dafür ist eine einfach gestaltete App, mit der sichtbar wird, welche Fähigkeiten bereits vorhanden sind und wo Entwicklungsschritte möglich sind.

Eigene Stärken bewusst wahrnehmen

Für Patrick Wurzrainer bedeutet das, die eigenen Fähigkeiten bewusster wahrzunehmen. Gemeinsam mit Lisa Edenhauser schaut er sich an, was ihm bereits gut gelingt. Dabei geht es um fachliche, soziale und personale Kompetenzen. Patrick schätzt sich selbst ein und reflektiert gemeinsam mit Lisa Edenhauser, was er schon sicher kann und wobei er noch Unterstützung braucht. So entsteht ein ehrlicher Blick auf die eigenen Stärken und Lernfelder.

Das Besondere an KomKom ist, dass die erworbenen Qualifikationen an den Nationalen Qualifikationsrahmen angebunden sind. Damit werden Kompetenzen nicht nur im Alltag sichtbar, sondern auch in einer Form dokumentiert, die über den Arbeitsplatz hinaus Bedeutung hat.

Perspektiven für den weiteren Berufsweg schaffen

Gerade für Menschen mit Behinderungen ist das ein wichtiger Schritt. Vielen fällt es schwer, am regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, auch weil oft formale Bildungsabschlüsse fehlen. KomKom eröffnet hier neue Möglichkeiten. Das Programm orientiert sich am dualen Ausbildungssystem (also der Lehre) in Österreich und verbindet Lernen mit praktischer Arbeit. Ziel ist es, Perspektiven für den weiteren Berufsweg zu schaffen, etwa in Richtung einer vollversicherten Anstellung oder auch einer Lehre.

Großartig finde ich, dass die Menschen in ihrem Tempo lernen können. Es ist egal, ob sie es in einem halben Jahr schaffen oder fünf Jahre brauchen, um die Kompetenzen zu erwerben. Man lernt, sich selbst einzuschätzen und sieht, was man inzwischen schon alles kann. Das ist einem oft gar nicht bewusst. Und man sieht auch, wo man noch Unterstützung braucht.

Lisa Edenhauser, agogische Mitarbeiterin im Kulinarium Kitzbühel
Es geht ums Dazulernen, um das Sich-entwickeln

Genau darin liegt die Stärke von KomKom. Nicht Defizite stehen im Vordergrund, sondern das, was da ist, was gewachsen ist und was sich entwickeln kann. Für Patrick Wurzrainer und seine Kolleginnen und Kollegen im Kulinarium Kitzbühel wird so sichtbar, was sie können und welchen Beitrag sie im Arbeitsalltag leisten.

KomKom steht für Kompetenzerweiterung durch Kompetenzerfassung  

KomKom steht für Kompetenzerweiterung durch Kompetenzerfassung und ist eine innovative Qualifizierungsinitiative für bildungsbenachteiligte Menschen wie für Personen mit Lernschwierigkeiten, denen oftmals formale Schulabschlüsse fehlen.

Indem sie ihre Fähigkeiten durch ein anerkanntes Zertifikat nachweisen und für potenzielle Arbeitgeber:innen belegen können, erhalten sie die Chance auf einen Einstieg ins Berufsleben.

Um den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt für benachteiligte Personen zu fördern, startete 2021 das KomKom-Netzwerk: ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen in ganz Österreich. Das Diakoniewerk gehört diesem Netzwerk an. Die Partner:innen des Netzwerks setzen die KomKom-Methode gemeinsam ein und entwickeln die Qualifikationen weiter.