Leben im Autismus-Spektrum: Wie Menschen am Hof Altenberg ihren Alltag verbringen

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25. März 2026
Verlässliche Strukturen, Ruhe und ein ausgewogenes Maß an Reizen sind für Menschen im Autismus-Spektrum entscheidend.

Hof Altenberg gibt Struktur und Natur für Autisten

Der Hof Altenberg im oberösterreichischen Mühlviertel wurde 2019 als Einrichtung der Diakonie für Menschen im Autismus-Spektrum eröffnet. Hier finden Menschen mit Behinderungen, viele davon im Autismus-Spektrum, 18 Wohn- und 14 Beschäftigungsplätze. 

Der Hof ist gezielt auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet: Der Alltag besteht aus klaren Abläufen, die Umgebung ist überschaubar, und die Menschen finden die Sicherheit und Orientierung, die sie brauchen.

Wir haben die Bewohner:innen besucht. Unser Bericht, wie ein strukturierter Alltag für Menschen im Autismus-Spektrum aussehen kann.

Ein Tag am Hof Altenberg

6:30 Uhr – Strukturierter Start in den Tag
Der Tag am Hof Altenberg beginnt ruhig und individuell. Die Bewohner:innen entscheiden selbst, ob sie gemeinsam in der Wohnküche oder im eigenen Zimmer frühstücken. Manche starten selbstständig in den Tag und ziehen sich an, andere erhalten Unterstützung. Ein zentrales Element ist die Orientierung: Jede Person ist eine eigene Farbe zugeordnet, die sich an Türen, Handtüchern und persönlichen Geschirr wiederfindet. Diese klare Struktur erleichtert Menschen im Autismus-Spektrum den Alltag und gibt Sicherheit.
8:00 Uhr – Arbeit und Beschäftigung am Hof
Nach dem Frühstück beginnen die Arbeits- und Beschäftigungsangebote. Dazu zählen landwirtschaftliche Tätigkeiten (Stallarbeit, Tiere versorgen), Gemüseanbau und Kräutergarten als auch Arbeiten in der Werkstätte (z. B. Grillanzünder, Strickmaschine, Gurte). Am Hof leben unter anderem Hühner, Schafe, Esel und Hasen. Die Arbeit mit Tieren und in der Natur bietet Menschen mit Autismus eine sinnvolle, strukturierte und sinnliche Beschäftigung. Die Tätigkeiten orientieren sich individuell an Alter, Fähigkeiten und Interessen. Am Hof Altenberg leben Erwachsene zwischen 21 und 65 Jahren.
12:00 Uhr – Mittagszeit in inklusiver Gemeinschaft
Zu Mittag bereitet ein inklusives Küchenteam Suppe und Salat vor alle zu, die Hauptspeise wird vom Kulinarium Engerwitzdorf geliefert. Zusätzlich werden am Hof verschiedene Kekssorten für die Erlkönigin-Produkte hergestellt. Parallel dazu finden Dienstbesprechungen statt, bei denen sich die Mitarbeitenden fachlich austauschen und den Alltag strukturieren.
13:00 Uhr – Ruhige Nachmittagsgestaltung
Am Nachmittag stehen bewusst ruhigere Aktivitäten im Fokus. Dazu gehören etwas Puzzeln, Konzentrationsübungen und Tätigkeiten, die Rückzug ermöglichen. Gerade für Menschen im Autismus-Spektrum sind wiederkehrende Rituale und ruhige Phasen wichtig, um Reize zu verarbeiten und Stabilität zu erleben.

Rückkehr in die Wohneinheiten

Im Laufe des Nachmittags kehren die Bewohner:innen aus den Werkstätten in ihre Wohneinheiten zurück. Manche ziehen sich in ihr Zimmer zurück, andere beteiligen sich an der Zubereitung der Jause oder verbringen Zeit in Gemeinschaft. Auch hier gilt: Der Alltag orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und daran, was gerade guttut. Am Abend klingt der Tag ruhig aus. Für den Großteil der Mitarbeitenden endet der Dienst, eine Person übernimmt den Nachtdienst. Zusätzlich gibt es einen Bereitschaftsdienst im Haus. So ist auch in der Nacht sichergestellt, dass Unterstützung rasch verfügbar ist.

 

Am Hof Altenberg schaffen wir einen Rahmen, der Sicherheit gibt und zugleich individuelle Entwicklung ermöglicht. Klare Strukturen, verlässliche Beziehungen und eine ruhige Umgebung sind dafür wichtige Voraussetzungen.

Gisela Eigner, Hofleiterin
Zwei Personen sitzen bei Tisch, eine Person schneidet Gurken und Tomaten auf
Zubereitung der Jause im Hof Altenberg / © Ness Rubey

Der Hof Altenberg ist ein Ort für Autisten - mit Ruhe und Struktur

Abseits dichter Bebauung und fern von Verkehrslärm bietet der Hof Altenberg einen ruhigen, strukturierten Rahmen für Wohnen, Arbeit und Tagesgestaltung. Die naturnahe Umgebung prägt den Alltag wesentlich und schafft Raum für Rückzug, Gemeinschaft und sinnvolle Beschäftigung. Besonders für Menschen im Autismus-Spektrum ist diese verlässliche Struktur eine wichtige Grundlage für Orientierung, Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe.

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