Quereinstieg in den Sozialbereich: „Trau dich, etwas Neues zu machen“
- Story
Vom Bürojob zur Sozialbetreuung
Es ist Abschlusswoche am Campus:Inklusiv in Feldkirchen. Rege Betriebsamkeit herrscht überall in den Gängen und Klassenräumen. Studierende sitzen zusammen und diskutieren über Abschlussprojekte, Präsentationen und anstehende Prüfungen. Bei all dem Trubel ist eines deutlich spürbar: das Miteinander, das in den Erwachsenenbildungseinrichtungen am Campus großgeschrieben wird – in den Kollegs für Elementar- und Sozialpädagogik ebenso wie an der SOB.
Mitten im Prüfungsstress treffen wir Bettina Hassold, die uns von ihrem Weg als Quereinsteigerin im Sozialbereich erzählt.
Frau Hassold, wie kam es zu dem Wunsch nach beruflicher Veränderung?
Bettina Hassold: "Ich war 15 Jahre lang in einem Bürobetrieb tätig. Irgendwann war jeder Tag gleich – es gab wenig Abwechslung und kaum Weiterentwicklung. Dann bin ich mit meinem Sohn schwanger geworden und habe mir während der gesamten Karenzzeit immer wieder überlegt, ob ich wirklich in dieses Berufsbild zurückkehren möchte. Ich wollte einfach Veränderung. Nach der Karenz habe ich mich informiert und bin auf die SOB gestoßen. Zuerst habe ich mich über den Altenbereich und die Pflegeassistenz erkundigt. Erst vor etwa einem Jahr habe ich mich dann dazu entschieden, auch noch die Ausbildung zur Fachsozialbetreuerin in der Behindertenarbeit zu machen. Und ich muss sagen: Das war die beste Entscheidung."
Bei all den Weiterbildungsangeboten, warum genau die SOB?
Bettina Hassold: "Vieles lief über Erfahrungswerte von anderen. In meiner unmittelbaren Wohnumgebung gab es zwei Personen, die diese Ausbildung schon vor Jahren gemacht haben. Von ihnen habe ich gehört, dass die Qualität der Ausbildung wirklich stimmt.
Außerdem war es für mich sehr wichtig, dass die Ausbildung berufsbegleitend möglich ist. Ich wollte nicht Vollzeit in der Schule sitzen, weil mein Sohn damals noch klein war. Gleichzeitig war es mir wichtig, das Praktikum nebenbei machen zu können und die Theorie gleich mit der Praxis zu verbinden.
Mein Sohn ist mittlerweile sieben Jahre alt und geht in die erste Klasse. Jetzt halten wir beide unser Zeugnis in die Luft – das ist schon ein sehr schöner Moment."
Wie war es zu Beginn der Ausbildung für Sie, wieder in einem Klassenraum zu sitzen, einen Stundenplan zu haben und Prüfungen zu schreiben?
Bettina Hassold: "Das war am Anfang schon sehr ungewohnt. Man muss erst wieder hineinfinden und das Lernen wieder erlernen. Es gibt verschiedene Skripten und Fachbücher, und beim ersten Durchlesen sind bei mir schon viele Fragezeichen aufgetaucht. Aber man kommt relativ schnell hinein. Ich bin, was Unterlagen betrifft, ein ziemlicher Perfektionist. Ich möchte alles ausgedruckt haben und schreibe auch viel selbst mit. Gleichzeitig wird man von der Schule sehr gut begleitet. Es startet nicht gleich mit vollem Tempo, sondern man lernt zuerst auch verschiedene Lerntypen kennen."
Der Praxisbezug war für mich total wichtig. Es macht einen großen Unterschied, ob man nur Theorie lernt oder ob man zeitgleich in die Praxis gehen kann, um zu sehen: Liegt mir das überhaupt? Passt das wirklich zu mir?
Berufsbegleitend lernen und Praxis sammeln
Am Campus:Inklusiv ist man vom ersten Tag der Ausbildung an mit Menschen mit Behinderungen in Kontakt, die Stadtwerkstatt befindet sich wenige Türen weiter von den Klassenräumen. Wie haben Sie das zu Beginn Ihrer Ausbildung erlebt?
Bettina Hassold: "Am Anfang war es schon ungewohnt, weil ich vorher kaum oder gar nichts mit Menschen mit Behinderungen zu tun hatte. Aber es war total schön, weil man sehr herzlich empfangen wird. Gerade in der Stadtwerkstatt trifft man die Klientinnen und Klienten jeden Tag. Sie begegnen einem mit so viel Freundlichkeit und Herzlichkeit. Mir ist es damit sehr gut gegangen. Man fühlt sich hier am Campus wirklich wohl – nach drei Jahren ist es fast schon wie ein Zuhause geworden."
Sie stehen kurz vor dem Abschluss Ihrer Ausbildung. Wird der Abschied vom Campus:Inklusiv schwer?
Bettina Hassold: "Ja, es wird sicher schwer. Ich denke besonders an die Pflegeassistenz-Ausbildung oft zurück. Man wächst als Klasse sehr zusammen. Alle sind erwachsen, alle bringen ihre eigene Geschichte mit, und wenn man mit Klient:innen in Berührung kommt, merkt man noch einmal mehr: Jeder Mensch möchte so genommen werden, wie er ist."
Nach Abschluss Ihrer Ausbildung sind Sie auch fertige Pflegeassistentin. Wäre ein Job in der Altenpflege eine Option?
Bettina Hassold: "Ausgeschlossen ist es nicht. Aber mittlerweile ist es schon so, dass ich sehr gerne in die Behindertenarbeit gehen würde. Wer weiß, was später noch kommt – aber im Moment zieht es mich klar in diesen Bereich."
Gab es in den Praktika Momente, in denen Sie gemerkt haben, dass Ihre ursprüngliche Vorstellung vom Job eine ganz andere war?
Bettina Hassold: "Es gibt viele Aha-Momente, in denen man denkt: Genau, das haben wir in der Theorie besprochen – jetzt probiere ich das aus. Und dann merkt man, dass es funktioniert. Solche Momente gibt es immer wieder, auch später noch. Man lernt hier sehr früh, Theorie und Praxis miteinander zu verknüpfen. Besonders bei der Kommunikation mit Menschen mit Beeinträchtigungen ist mir eine Begegnung in Erinnerung geblieben: Ich bin mit null Vorwissen hineingegangen und habe am Anfang manchmal angepasst mit den Menschen gesprochen. Dann wurde mir aber auch direkt gesagt: ‚Du kannst mit mir aber ganz normal reden.‘
Welchen Stellenwert hatte der Praxisbezug für Sie um herauszufinden, welchen beruflichen Weg Sie einschlagen möchten?
Bettina Hassold: "Der Praxisbezug war für mich total wichtig. Es macht einen großen Unterschied, ob man nur Theorie lernt oder ob man zeitgleich in die Praxis gehen kann, um zu sehen: Liegt mir das überhaupt? Passt das wirklich zu mir? Wie in jedem Berufsfeld gibt es Menschen, die sehr theoretisch arbeiten, und andere, die sehr praxisorientiert sind. Für mich war es wichtig, die Praxis gleich nebenbei zu haben und zu merken: Kann ich das umsetzen? Gelingt mir das? Passt das zusammen – und passt es zu mir? Das war für mich sehr entscheidend."
Mein Rat an alle, die über eine berufliche Veränderung nachdenken: Trau dich, etwas Neues zu machen!
Mut zur beruflichen Veränderung
Was ist kurz vor Ihrem Abschluss Ihr berufliches Ziel?
Bettina Hassold: "Mein Berufsziel wäre auf jeden Fall eine Tagesstätte oder eine Werkstätte für Menschen mit Behinderungen. Ich habe gesehen, wie viel Potenzial in jedem Menschen steckt und wie viel man gemeinsam machen kann. Ich bin selbst sehr kreativ und setze gerne Dinge um. Deshalb würde mir die Arbeit in diesem Bereich sehr gefallen."
Rückblickend betrachtet: haben Sie in der Ausbildung das richtige Werkzeug mitbekommen, um gut und sicher im Beruf arbeiten zu können?
Bettina Hassold: "Auf jeden Fall. Und das gilt unabhängig davon, ob man später in einer Tagesstätte, im Wohnbereich oder in der Schulassistenz arbeitet. Gerade an der SOB gibt es sehr viele Möglichkeiten, sich zu entwickeln und zu festigen. Jede und jeder findet mit der Zeit die eigenen Themenbereiche. Gleichzeitig wird man sehr vielfältig vorbereitet. Man kann danach wirklich in unterschiedlichen Bereichen arbeiten."
Wie lautet Ihr Rat an alle, die über eine berufliche Veränderung - vielleicht mit dem Ziel eines Sozialberufes - nachdenken?
Bettina Hassold: "Trau dich einfach, etwas Neues zu machen!"
Berufsbegleitend studieren an der SOB
Die Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) der Diakonie de La Tour am Standort Feldkirchen ist ein berufsbegleitendes Bildungsangebot für Erwachsene mit den Ausbildungsschwerpunkten Behindertenarbeit, Behindertenbegleitung und Altenarbeit. Die Ausbildungen dauern je nach gewähltem Schwerpunkt und Abschluss (mit oder ohne Diplom) zwischen zwei und vier Jahre.
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