Suad brauchte Flüchtlingsschutz. Heute gibt sie vieles weiter. Vor allem Hoffnung.
- Story
Suad ist eine energiegeladene junge Frau, die mir bei WIWA (der Wohnungsberatungsstelle des Diakonie Flüchtlingsdiensts) freundlich die Tür öffnet und ihren Arbeitsplatz zeigt. Ich treffe sie hier zu einem Gespräch über Mut, Willenskraft, Hoffnung, Neubeginn und Entwicklung. Alles Eigenschaften, die sie in ihrem Leben weitergebracht haben und an diesen Platz, wo sie jetzt 25 Stunden arbeitet, angestellt als Wohnberaterin.
Suad hält Workshops auf Deutsch und in den Muttersprachen zum Thema „Wohnungssuche“ und jeden Mittwoch macht sie eine Genossenschaftsrunde, bei der sie den Klientinnen erklärt, wie sie durch den Dschungel des Wiener Wohnungsmarktes finden und wie sie sich für eine geförderte Wohnung bewerben können.
Suads Weg ins Arbeitsleben in Österreich war nicht leicht. Obwohl sie ausgebildete Lehrerin ist und ein Diplom hat, musste sie in Österreich wieder von ganz vorne anfangen. Mit 18 Jahren musste sie hochschwanger ihre Heimat verlassen. Ihr Mann war zum Glück immer an ihrer Seite: „Meine größte Unterstützung ist mein Mann! Er hat immer gesagt: Mach das, was du dir vorgenommen hast! Ich steh hinter dir, ich bleib bei den Kindern!“
Angefangen hat ihr „neues Leben“ in einem Flüchtlingsquartier in Oberösterreich, wo sie einige Jahre warten mussten. Es waren turbulente Zeiten voller Unsicherheit und ohne Perspektiven. Doch sie hat nie die Hoffnung verloren. Heute lebt sie mit ihrem Mann und mittlerweile 4 Kindern (3 Burschen und 1 Mädchen) in Wien, hat die österreichische Staatsbürgerschaft, einen Job, drei Ausbildungen absolviert und gerade ihr erstes Buch geschrieben. Eine Erfolgsstory.
Sie will anderen Frauen auch Mut machen, dass sie es schaffen können, in einem anfangs fremden Land eine Heimat zu finden und sich ein neues Leben aufzubauen. Auf die Frage nach ihrem Heimatland antwortet Suad: „Mittlerweile habe ich zwei Orte, die ich als meine Heimat bezeichne. Österreich ist einer davon!“
Sie erzählt von den Anfängen in Österreich und wie schwierig es ist, wenn alles neu ist: ein anderes Land, eine andere Kultur und eine andere Sprache: „Ich hatte den Willen, mich zu integrieren. Das hat mich immer weitergebracht! Ich habe mir ein Wörterbuch gekauft und begonnen Deutsch zu lernen. Damals waren die Österreicher noch viel neugieriger auf andere Menschen, Kulturen und manche waren sogar daran interessiert, Arabisch zu lernen. So unterrichtete ich Arabisch und im Gegenzug lernten sie mir Deutsch. Wir trafen uns regelmäßig beim Bäcker und unterhielten uns über Gott und das Leben.
Durch die Diakonie hat Suad eine Ausbildung als pädagogische Kindergartenbetreuerin bekommen und daraufhin bald Arbeit gefunden. Zudem hat sie Arabisch und den Koran unterrichtet. Später arbeitete sie als Übersetzerin bei WIWA und machte nebenbei eine Schulung zur psychischen Gesundheitstrainerin.
So gibt Suad ihre Hoffnung weiter
Eine Ausbildung, die Suad zu dem Projekt „El Amal“ (= Hoffnung) motiviert hat. Es ist ein Teil der Wohnungsberatung, dass sie gemeinsam mit drei anderen Kolleginnen leitet. Ziel ist es, nicht nur bei der Wohnungssuche zu helfen, sondern auch Entlastungsgespräche zu führen. Sie möchte Hoffnung geben, Vertrauen aufbauen, motivieren, gemeinsam Stress bewältigen und mit den Klientinnen Sorgen sortieren.
Suad erzählt: „Da ich selbst einmal von Wohnungslosigkeit betroffen war, wusste ich genau, wie sich unsere Klientinnen fühlen. Ich habe dieses Projekt gegründet, damit Menschen einen Ort haben, an dem sie sich ernst genommen fühlen, voll Respekt, Sicherheit und Hoffnung. Einen Ort, an dem ihnen jemand in ihrer Muttersprache zuhört. In der Diakonie Wohnungsberatung haben wir genau so einen Ort erschaffen. Darauf bin ich sehr stolz!“
Suad möchte „El Amal“ noch größer machen und noch viel mehr Menschen Hoffnung schenken. Sie möchte allen Frauen Mut machen, ihre Ziele zu erreichen, und zwar: jetzt!
Suad rät: „Man muss nicht warten, bis die Kinder groß sind. Man kann auch gemeinsam mit den Kindern Deutsch lernen!“ Sie hat außerdem eine Botschaft an alle Lehrer:innen, die sie gerne weitergeben möchte:
„Unsere Kinder sind hier geboren, sie sind Österreicher:innen, bitte behandelt sie auch so, dass sie spüren, dass sie Teil dieser Gesellschaft sind. Gebt ihnen die Chance und lasst sie entwickeln und weiterlernen!“
Heute ist Suad angekommen, in dem Land, im Arbeitsleben, in ihrer Kraft. Trotz vieler Hürden konnte sie sich weiterentwickeln, dafür ist sie sehr dankbar. Das Wort „Hoffnung“ fällt häufig in unserem Gespräch: „Ich bin ein sehr gläubiger Mensch - meine Verbindung zu Gott gibt mir Hoffnung!“