Schulstart: Teuerung und hohe Kosten für Schulsachen und Nachhilfe

  • Pressemitteilung
22. August 2022
Arme Eltern, schlechte Chancen: Wertanpassung der Schülerbeihilfe, Förderunterricht, Ganztagsschule und Chancenindex würden helfen.

Diakonie-Aktion Schulanfang in Teuerungszeiten

Zur Akuthilfe für Kinder hat die Diakonie ein Spendenkonto eingerichtet. "Alle Schülerinnen und Schüler sollen gleiche Möglichkeiten haben, prinzipiell und gerade jetzt in Teuerungszeiten", so die Diakonie abschließend.

Spendenkonto: Diakonie | IBAN: AT07 2011 1800 8048 8500 | Spendenkennwort: Hilfe für Kinder und Jugendliche

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„59.000 Volksschulkinder und 85.000 Kinder in der Unterstufe leben in einkommensarmen Haushalten“, warnt der Sozialexperte der Diakonie Österreich, Martin Schenk, vor schlechten Startbedingungen für viele Kinder am Schulanfang. "Eltern klagen über die oft nicht mehr leistbaren Beiträge, die ihnen zu Schulbeginn abverlangt werden": Schultasche, Sportbeutel, Hefte, Stifte, Malfarben und Handarbeitskoffer... - schon ein einfaches Startparket für die Schule kann 100 bis 300 Euro kosten.
Hinzu kommen noch zusätzliche Kosten. Je nach Schultyp und Schulstufe müssen zum Beispiel Kopierkosten, Milchgeld oder auch Projekt- und Wandertage sowie Elternvereinsbeiträge finanziert werden. All das macht laut letzter Schulkostenstudie durchschnittlich 679 Euro Gesamtausgaben pro Haushalt aus.

Nachhilfe benachteiligt einkommensschwache Familien

„Wenn an der Schule ein guter Förderunterricht organisiert ist, dann kann der Druck auf privat finanzierte Nachhilfe deutlich gesenkt werden. Wenn es eine gute verschränkte Ganztagsschule gibt, dann reduziert sich die bezahlte Nachhilfequote weiters – zu Gunsten der Chancen armutsbetroffener Kinder“, analysiert Martin Schenk.
20 Prozent aller Eltern würden für ihr Kind gern Nachhilfe bekommen, viele davon (40%) können sich diese aber nicht leisten. "Corona und die Teuerung haben hier kein neues Problem aufgezeigt, sondern ein altes verschärft", sagt Sozialexperte Schenk. Schon in den vergangenen Jahren hatten Eltern den Wunsch, bezahlte Nachhilfe für ihre Kinder zu bekommen, eine solche aber nicht erhalten. "In der Krise hat sich der Anteil an Eltern, deren Kinder keine Nachhilfe bekommen, obwohl sie eine brauchen, von 40.000 auf 195.000 Fälle vervielfacht. Auch berichten vier von zehn Eltern, dass sie fachlich nicht mehr helfen können oder von der Materie überfordert sind“.
Die hohen Nachhilfekosten und auch der große Aufwand außerschulischer Lernbetreuung zeigen, dass in der Schule zu wenig gelernt wird – also geübt, verfestigt, trainiert, vertieft. Das gehört eigentlich zu den pädagogischen Kernkompetenzen der Schule.

Reform und Teuerungsanpassung der Schüler:innenbeihilfe

Dringend reformbedürftig sind die Grundleistungen, die Schüler:innen aus einkommensschwachen Elternhäusern unterstützen sollen. Bei der Valorisierung der Sozialleistungen wurde auf die Schülerbeihilfe vergessen. Zum einen sollte sie der Teuerung angepasst werden, zum anderen sollte die Auszahlung der Schülerbeihilfe auch die 9. Schulstufe erfassen. Gerade hier gibt es hohe Kosten im Ausbildungsjahr - und die Ausbildungsentscheidung steht an.
Ein weiteres Problem ist die Inanspruchnahme: Viel zu wenige Kinder, die sie brauchen könnten, wissen davon. 2010 wurden noch 39 Millionen Euro an einkommensschwache Kinder ausbezahlt, 2020/21 nur mehr 19 Mio. Die Inanspruchnahme ist auf einem Tiefstand, obwohl der Bedarf groß wäre.

Schulausgleichsfonds umsetzen

Im Rahmen der Corona-Hilfen wurde ein Geldtopf in der Höhe von 6,8 Millionen Euro für die Unterstützung von Schulveranstaltungen geschaffen. Daraus könnte die Regierung einen Schulausgleichsfonds gestalten, der zukünftig bei einkommensschwachen Schülern:innen die hohen Kosten bei Schulreisen und Schulveranstaltungen mitträgt.  

Flächendeckend Chancenindex für benachteiligte Schulstandorte: Jetzt!

Für einige Schulen beginnt das zweite Schuljahr mit dem sogenannten Chancenindex. Dieser sorgt dafür, dass Schulen an benachteiligten Standorten zusätzlich unterstützt werden. Dass ein gut umgesetzter Chancenindex funktioniert, und die Bildungschancen unserer Kinder erhöht, zeigen viele internationale Beispiele - man braucht nur nach Hamburg, in die Niederlande oder auch nach Kanada zu schauen.
Aber: So, wie er jetzt in Österreich umgesetzt werden soll, muss man leider von einem Chancenindex light sprechen. Das Projekt ist nämlich auf bloß 100 Schulen beschränkt und befristet. Diakonie Sozialexperte Martin Schenk: "Hier verschwendet die Regierung wertvolle Zeit. Es braucht eine flächendeckende Einführung des Chancenindex in ganz Österreich."

Sozialstaatliche Unterstützung

Im September kommt wie jedes Jahr 100 Euro Schulstartgeld auf die Konten der Familien schulpflichtiger Kinder. Sie ist das Überbleibsel der vor 10 Jahren gestrichenen 13.Familienbeihilfe. Für Kinder in der Mindestsicherung bzw Sozialhilfe sind insgesamt 120 Euro vorgesehen. In manchen Bundesländern gibt es die Möglichkeit einer eigenen Schulstarthilfe.

Ihre Ansprechperson zu dieser Pressemitteilung

Dr.in Roberta Rastl-Kircher
Pressesprecherin & Medienarbeit