4 Jahre Krieg in der Ukraine – so geht es Vertriebenen aktuell in Österreich
- Kommentar
Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Krieges müssen neu ankommende Kriegsvertriebene in Österreich tagelang ohne sicheren Schlafplatz durch Ämter und Notlösungen irren.
Während sich die Politik noch immer auf ihren Versprechen von „unbürokratischer“ und „rascher“ Hilfe aus den ersten Kriegswochen ausruht, erleben viele Ukrainer:innen heute Obdachlosigkeit, Chaos und ein System, das sie in ihrer größten Not fallen lässt.
Schon im März 2022, wenige Tage nach Ankunft der ersten Flüchtlinge, hat die Diakonie einen klaren 5-Punkte-Plan vorgelegt, der Schutz und Stabilität garantieren hätte können. Passiert ist davon beschämend wenig. Bis heute erleben viele Ukrainer:innen Hinhaltetaktik, geschlossene Türen und Gegebenheiten, die Integration praktisch verunmöglichen.
Ukraine-Vertriebene leben auch nach vier Jahren noch in der Notversorgung
Besonders skandalös ist die Situation in der Grundversorgung: Die sogenannte „Grundversorgung“ ist ein unterfinanziertes, unsicheres, entmündigendes System, das nie dafür gedacht war, Menschen über Jahre not-zu-versorgen. In diesem System müssen Geflüchtete aus der Ukraine inzwischen schon froh sein, dass sie überhaupt noch einen Schlafplatz bekommen.
Und wenn es um das Starten eines neuen Lebens geht, so finden sie weiterhin 1000 Hürden vor
Die Politik in Österreich stellt unerfüllbare Erwartungen an Integration, während sie die notwendigen politischen Änderungen blockiert: Viele Ukraine-Vertriebene könnten nach dieser Zeit eine Arbeit aufnehmen. Und sie wollen auch dringend arbeiten, und auf eigenen Beinen stehen.
Defacto aber „dürfen“ sie nicht: Zuverdienstgrenzen und der fehlende Zugang zu ergänzender Sozialhilfe, wenn sie wegen Betreuungspflichten nur Teilzeit arbeiten können, verunmöglichen ein würdevolles Leben innerhalb und außerhalb der Grundversorgung.
Die Politik steht vor einer klaren Entscheidung: Entweder sie schafft endlich Rahmenbedingungen, die Integration ermöglichen, anstatt den Betroffenen ständig Prügel zwischen die Beine zu werfen – oder sie sollte wenigstens den Mut haben zu sagen, dass sie diese Menschen hier nicht haben will.
Ich denke aber, Österreich könnte diese Arbeitskräfte gut gebrauchen.
Immer wieder den Betroffenen die Schuld zu geben, obwohl ihnen keine Chance gegeben wird, ist unwürdig. Wenn Menschen in der Grundversorgung hungern oder nicht heizen können, ist das untragbar – und eine Schande für dieses reiche Land.
Besonders hart und sichtbar ist das Versagen nach der Schließung der Erstankunftszentren im Winter 2026: Menschen aus der Ukraine, die aktuell in Österreich ankommen, wissen oft tagelang nicht, wo sie schlafen werden. Sie landen auf Sofas, in überfüllten Wohnungen oder direkt in der Obdachlosigkeit, weil niemand mehr verantwortlich sein will, sie geordnet aufzunehmen.
Das ist kein „Verwaltungsproblem“, das ist politisch organisierte Verantwortungslosigkeit. Noch dazu, nachdem zu Kriegsbeginn großspurig unbürokratische und rasche Hilfe versprochen wurde. Heute sehen wir das Gegenteil: Hürden, Schikanen, geschlossene Türen. Wenn ein Land so mit Menschen umgeht, die vor Bomben geflohen sind, ist das eine moralische Bankrotterklärung.
Autor:innen
Mag. Christoph Riedl
Grundlagen & AdvocacySozialexperte Migration, Asyl, Integration, Menschenrechte