Echt elementar! Wo Bildung ihr Fundament bekommt

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21. Januar 2026
Spielend den Rucksack für lebenslanges Lernen packen. In elementarpädagogischen Einrichtungen wie dem Kindergarten Glanhofen der Diakonie de La Tour entsteht das Fundament für den Bildungsweg.

Schulvorbereitung beginnt bei uns am ersten Kindergartentag– so spielerisch, dass es die Kinder gar nicht merken“, sagt Daniela Strohmayer, Leiterin des Kindergartens Glanhofen bei Feldkirchen. Der Einstieg gelinge mit einer behutsamen, individuellangepassten Eingewöhnung, bei der Eltern als „Brücke“ dienen. Die Loslösung sei der erste Schritt in Richtung Selbstständigkeit sowie die Basis für Vertrauen und Sicherheit. Das erklärte Ziel? Elementare Pädagogik zu vermitteln: die Basis und das Fundament für jede weitere Bildungskarriere eines Kindes.
Im Alltag sieht vieles nach „nur Spielen“ aus – tatsächlich folgt alles einem Plan. „Wir arbeiten gezielt an Vorläufer-Fertigkeiten für die Schule“, erklärt Strohmayer. Dazu zählt etwa, dass Kinder bis zur Schuleinschreibung ihren Namen schreiben können. Der Weg dahin ist individuell und nie eindimensional: Nicht bloß Schwungübungen, sondern feinmotorische Förderung, die Spaß macht.

Es wäre schön, wenn wir Elementarpädagog:innen nicht erklären müssten, dass wir nicht nur fürs Spielen und Singen verantwortlich sind, sondern mit den Kindern Bildungsarbeit machen. 

Daniela Strohmayer, Leiterin Kindergarten Glanhofen
Hilf mir, es selbst zu tun 

„Was wie Herumpappen mit Knete aussieht, ist konzentriertes Muskeltraining – und das Tor zum Schreibenlernen“, sagt die Pädagogin, die seit fast 25 Jahren in Glanhofen arbeitet und den Kindergarten seit 2021 leitet. Auch mathematische Kompetenzen entstehen spielerisch: Zählspiele mit aktuellen Materialien, wie zum Beispiel jetzt Kastanien, geometrische Formen mit Legosteinen, Würfelspiele – „da steckt unglaublich viel Mathematik drin“. Reformpädagogische Materialien, etwa aus der Montessori-Pädagogik, werden bedarfsorientiert eingesetzt. Das Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“ prägt den Ansatz des Kindergartens.

Gemeinsam einen Rucksack fürs Leben packen

Schulvorbereitung bedeutet weit mehr als Arbeitsblätter. „Wir packen gemeinsam einen Rucksack fürs Leben“, sagt Strohmayer. Neben kognitiven Inhalten geht es um Alltagskompetenzen – sich in der Garderobe selbst anziehen, Verantwortung übernehmen – und um soziale Erfahrungen: Bedürfnisse erkennen, teilen, warten können, Konflikte lösen. Kindertagesstätte und Kindergarten sind für viele die ersten Orte intensiver Begegnung mit Gleichaltrigen – und damit zentrale Lernräume für soziale Kompetenz.
 

Es braucht mehr Wertschätzung für den Beruf

Was wünschen sich die Elementarpädagoginnen in Glanhofen? „Mehr Wertschätzung für diesen Beruf“, sagt die Leiterin. „Wir müssen oft erklären, dass wir nicht nur fürs Spielen und Singen verantwortlich sind, sondern Bildungsarbeit mit den Kindern machen.“ Dazu komme viel Vorbereitungszeit und die individuelle Förderung. „Denn was von außen nach Spielen aussieht, steckt meist voller Bildung.“ Ein weiterer Wunsch: kleinere Gruppen. „Mit aktuell 24 Kindern in einer Gruppe ist die individuelle Betreuung eine riesige Herausforderung – besonders, wenn man jedem Kind wirklich seinem Bedürfnis entsprechend gerecht werden möchte.“

Das Bild der "Kindergartentante" ist nicht mehr zeitgemäß

Die elementare Bildungsverantwortung für Kinder von 0 bis 6 Jahren zu übernehmen, ist auch zentrale Motivation in unserer Ausbildung am Kolleg für Elementarpädagogik.
 

Katharina Kazianka, Lehrgangsleiterin Kolleg für Elementarpädagogik

Die elementare Bildungsverantwortung für Kinder von 0 bis 6 Jahren zu übernehmen, ist auch zentrale Motivation in der Ausbildung, berichtet Katharina Kazianka vom Kolleg für Elementarpädagogik, das die Diakonie de La Tour 2024 in Feldkirchen eröffnet hat. „Unsere Studierenden möchten den Beruf ergreifen, weil sie Elementarpädagogik als entscheidende Bildungsvoraussetzung sehen, die das ganze Leben umspannt.“ Wichtig sei auch der Blick in die Geschichte der Ausbildung: „Die Ausbildung hat sich in den letzten 20 Jahren aufgrund des gesellschaftlichen Wandels und zunehmender Forschungstätigkeit im elementaren Bildungsbereich sehr stark weiterentwickelt und entwickelt sich zudem noch immer kontinuierlich weiter", sagt die Erziehungs- und Bildungswissenschafterin. Das verbreitete Bild der „Kindergartentante“ sei nicht mehr zeitgemäß.

Elementarpädagog:innen tragen Verantwortung für drei zentrale Säulen: Erziehung, Bildung und – ganz bewusst zuletzt genannt – Betreuung. „Das zu vermitteln, ist uns in der Ausbildung essenziell“, erklärt Kazianka. Der Fokus liege auf dem, was im Beruf tatsächlich gebraucht werde: etwa auf inklusiver Pädagogik und dem Zusammenleben in unterschiedlichen Familienformen. „Wir setzen stark darauf, dass unsere Lehrkräfte aus dem Beruf kommen und wissen, was in der Praxis gebraucht wird. So können wir am Kolleg eine breit aufgestellte, solide Ausbildung bieten, in die auch viele Ansätze aus der Reformpädagogik einfließen – damit die Studierenden mit einem guten Grundgerüst in den Beruf starten.“

So schließt sich der Kreis zu Glanhofen: Elementarpädagogik ist nicht Betreuung, sondern Fundament – sie begleitet Kinder vom ersten Tag in Kindergarten und Kita an und legt die Basis dafür, dass sie neugierig, sicher und gut vorbereitet in die Schule gehen.

Mehr Informationen zur Ausbildung am Kolleg für Elementarpädagogik: Kolleg für Elementarpädagogik - Zukunftsberufe

Ihre Ansprechperson zu dieser Story

Mag. Hansjörg Szepannek
Referatsleitung Kommunikation, Presse