Ein gutes Leben für alle? Demokratieworkshop bei Bandari
- Story
Bernhard Köhle und Michael Winkler, die beiden Europify-Experten, stehen vor der digitalen Weltkarte. „Also, welches Land schauen wir uns an? Vielleicht Griechenland, immerhin wurde da die Demokratie erfunden." Michael Winkler scrollt, schaut sich die Demokratiewerte an. Bernhard Köhle zuckt mit den Schultern: „Na ja, da gibt es noch Verbesserungspotenzial." Er wendet sich zur Gruppe: „Und jetzt?" Die jungen Männer sind sich einig: „Syrien!"
Es ist der 18. Dezember, draußen tobt der Wiener Weihnachstrubel und drinnen diskutieren junge Männer mit Fluchtgeschichte über Demokratie. Was sie bedeutet, hier in Österreich, im Heimatland, weltweit. Eingeladen hat Bandari, die Beratungsstelle für Burschen und junge Männer. Veranstaltet wird der Demokratieworkshop von Europify, einem unabhängigen Institut für Europa- und Demokratiebildung. Bernhard Köhle, Michael Winkler und Cornelia Krajasits haben ein buntes Paket voller Diskussionsangebote geschnürt - ein Flipchart, Bild- und Textkarten sowie eine Weltkarte mit Demokratieindex.
Demokratie: Weltweit und für alle
„Okay, also Syrien." Michael Winkler scrollt wieder, eine Übersicht poppt auf, überall rote Werte. „Sieht leider nicht gut aus." Ein junger Mann in der Ecke widerspricht: „Aber vielleicht ist es jetzt anders." Plötzlich brechen verschiedene Gespräche los. Seit dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 ist die Situation in Syrien tatsächlich anders. Nur wie? Und: Ist Demokratie möglich? Auch in einem Land, aus dem man fliehen musste, weil man dort nicht frei leben konnte?
Schnell wird klar: Dieser Workshop ist kein bloßes Bildungsprogramm. Vielmehr regt er an, über die eigenen Hintergründe, Ängste und Wünsche nachzudenken. Immer wieder hält Bernhard Köhle ein Schild hoch, auf dem fett „ALLE" steht: „Bei der Demokratie geht es darum, was für alle gut ist. Ob du Geld hast oder nicht."
Seit ich in Österreich bin, interessiere ich mich für Demokratie. Für mich bedeutet Demokratie Meinungsfreiheit, eigene Rechte und Sicherheit.
Demokratie: Ein Freiheitsweltmeister
„Ein Führerschein für 500 Euro. Das zum Beispiel ist Korruption. Korruption gibt es auch in Österreich", erklärt Bernhard Köhle. Immerhin steht Österreich auf Platz 19 vom Demokratieindex. Geht aber noch besser, zum Beispiel mit der Schweiz (Platz 5). „Die haben aber auch viel Schokolade - und viel Geld." Dann wird der Menschenrechtsexperte wieder ernst. Er fragt in die Gruppe: Wie sorgt man für Glück im eigenen Land? Die Rückmeldungen überschlagen sich, manche auf Deutsch, manche auf Arabisch. Bandari-Einrichtungsleiter Abdalla Mohammad hat als Übersetzer viel zu tun. Es geht um Firmengründungen, soziale Absicherung und um Vielfalt.
Kurze Pause. Die Männer vertreten sich draußen die Beine, andere gehen zum Tischkicker. Wen man auch fragt: Fußball ist die große Leidenschaft. Nicht wenige freuen sich, wenn sie herausfinden, dass ihr Lieblingsfußballland auch eine stabile Demokratie ist.
Demokratie: Kein einfacher Job
Ali, 19 Jahre, hat einen klaren Wunsch: Er will arbeiten, als Automechaniker. In seinem Heimatland, dem Libanon hat er keine Demokratie erlebt. Zum Workshop kommt er, um mehr darüber zu erfahren. „Seit ich in Österreich bin, interessiere ich mich für Demokratie. Jetzt habe ich besser verstanden, was das bedeutet." Und was es für ihn bedeutet? Ali sagt die drei Begriffe mit Bestimmtheit: „Meinungsfreiheit, eigene Rechte und Sicherheit."
Die Vortragenden von Europify haben eine Grafik auf den Boden gelegt. Man sieht eine Gruppe von Menschen, die einen schweren Brocken emporheben. Darauf das Wort „Demokratie". Kein einfacher Job - und trotzdem: Seit vielen Jahrzehnten gibt es in der Europäischen Union Frieden, solange wie noch nie in Europa. Und das liegt an der Demokratie, dem Anerkennen von Vielfalt und dem friedlichen Miteinander. Dafür gibt auch der Abend bei Bandari ein Beispiel - gut gelaunt und neugierig. Auf ein weiteres Treffen!