Hilfe bei der Diagnose Demenz

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18. September 2026
Wie das Mobile Demenz-Team der Diakonie in Kärnten Familien begleitet

Eine Demenzdiagnose verändert nicht nur das Leben der betroffenen Person, sondern auch das ihrer Angehörigen. Das Mobile Demenz-Team der Diakonie in Kärnten begleitet Familien in ganz Kärnten. Die Begleiterin stärkt vorhandene Fähigkeiten und hilft dabei, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen.

Diagnose – und dann?

Die Bestätigung der Diagnose Demenz ist ein schwieriger Moment für Betroffene und ihre Angehörigen. Manchmal ist sie auch das Ende einer langen Odyssee von Untersuchungen auf der Suche nach der Ursache für die Veränderungen eines Menschen. Zugleich ist sie jedoch immer auch der Beginn von Behandlung, Therapie, Begleitung und – sehr häufig – der Übernahme von Betreuungsverantwortung durch Familienangehörige. Nicht selten führt dieses Gefühl der Verantwortung im Zusammenspiel mit der jeweiligen Situation aber auch zu großer Erschöpfung.

Demenz verstehen und mit Demenz leben. Wenn jemand im Umfeld an Demenz erkrankt, kommen viele Fragen auf. Hier finden Sie umfassende Informationen zu den verschiedenen Aspekten der Erkrankung: 

Infoportal zu Demenz

Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen

Das Mobile Demenz-Team begleitet und berät in ganz Kärnten Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen mit unterschiedlichen Leistungen und versucht, ihnen so etwas von der Last abzunehmen.

Dazu gehört unter anderem die Demenzdiagnostik, die von Klinischen Psycholog:innen durchgeführt wird und die Grundlage für die weitere Abklärung und Behandlung bildet.

Zum Leistungsangebot gehören auch

  • aktivierendes Training sowie
  • Ergotherapie für Menschen mit Demenz. Auch die
  • Beratung der Angehörigen ist ein wesentlicher Aufgabenbereich des Mobilen DemenzTeams.

An vorhandene Fähigkeiten anknüpfen

Ines Hopfgartner ist im Team der Mobilen Demenz Beratung als Psychologin in der Beratung von Angehörigen tätig. Und sie begleitet Menschen mit Demenz mit dem sog. aktivierenden Training. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff für unterschiedliche Aktivitäten, die darauf abzielen, Lebensfreude, vorhandene Fähigkeiten und Alltagskompetenzen möglichst lange zu erhalten.

Für Ines Hopfgartner ist es wesentlich, eine vertrauensvolle Beziehung zu dem Menschen mit Demenz aufzubauen. „Ich lasse mich auf den jeweiligen Menschen ein, versuche herauszuarbeiten, was die Person ausmacht, ihre Identität ist oder war. Zu wissen, was dem Gegenüber wichtig ist, worauf jemand stolz ist oder was wesentlich für den Selbstwert der Person ist, was ihr Sicherheit und ein gutes Gefühl gibt“, erzählt sie.

„Das können zum Beispiel Erzählungen über sich selbst sein, die Familie und Freunde, den eigenen Besitz, den Beruf oder auch den Glauben und die Wertehaltung. Dieses Wissen ist dann die Basis für das Miteinander, das aus gemeinsamen Aktivitäten oder Gesprächen bestehen kann.“

Im weiteren Verlauf der Demenz kann es zu Erinnerungslücken kommen. Hier kann das sogenannte „shared remembering“ – also das geteilte Erinnern – helfen, erklärt sie.

„Durch die wachsende, oft über Jahre hinweg entstehende Beziehung, ist eine begleitende Person wie ich oft in der Lage, eine Erzählung aus dem Leben eines Menschen zu ergänzen, wenn sich die Person selbst an ein bestimmtes Detail nicht mehr erinnern kann. Das stärkt das Vertrauen zueinander.“

Denn häufig seien es Isolation und Rückzug, die Menschen mit Demenz zusätzlich belasten. „Sie haben oft erlebt, dass sie etwas falsch machen oder nicht mehr die richtigen Worte finden. Bevor das wieder passiert, sagen sie häufig lieber gar nichts mehr.“

Wenn Angehörige an ihre Grenzen kommen

Ganz wichtig sei es auch, dem Familiensystem zur Seite zu stehen. Dabei gehe es nicht nur um die Vermittlung zwischen den Beteiligten, sondern auch um die Beratung und Begleitung der Angehörigen selbst. Denn diese seien häufig bereits an ihren persönlichen Grenzen, wenn sie sich an das Mobile Demenzteam wenden.

„Leider erleben wir oft, dass Angehörige sehr lange versuchen, alles allein zu bewältigen. Die Situation entwickelt sich meistens schleichend. Der Gemütszustand und die kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Demenz sind nicht jeden Tag gleich. Es gibt bessere und schlechtere Phasen. Erst wenn belastende Situationen immer häufiger auftreten, kommt irgendwann der Punkt, an dem Angehörige sagen: „Ich kann nicht mehr“ - und sich nach Unterstützungsmöglichkeiten umsehen.

Dabei muss sich niemand der Diagnose Demenz bei einem Angehörigen allein stellen. Entlastende Angebote wie das Mobile Demenz-Team machen es möglich, dass Angehörige wieder einen Teil der Verantwortung abgeben können.

„Ich kann die Verantwortung mit jemandem teilen“

So auch Veronika K. (Name von der Redaktion geändert), deren 86-jährige Mutter von Ines Hopfgartner betreut wird. Sie erzählt: „Ich kann gar nicht sagen, wie sehr uns die Begleitung durch das Mobile Demenz-Team hilft. Für mich bedeutet sie, dass eine große Last mitgetragen wird. Ich kann die Verantwortung mit jemandem teilen, der sich nicht scheut zuzuhören. Vor allem geht es auch darum, zu wissen, dass ich mit den vielen Entscheidungen nicht allein bin. Ines ist für mich zu einer Vertrauensperson geworden.“

Frau K. lebt in Wien, ihre Mutter in Kärnten. Auch deshalb ist die Unterstützung durch das Mobile Demenzteam für sie eine große Hilfe. So wisse sie, schildert Frau K., dass jemand in der Nähe sei, zu dem ihre Mutter ein gutes Verhältnis habe und Vertrauen gefasst habe.

„Meine Mutter tut sich manchmal schwer, Menschen auseinanderzuhalten. Aber zu Ines hat sie sehr schnell großes Vertrauen gefasst. Sie erkennt sie immer.“

Zweimal pro Woche bekommt die Mutter von Frau K. Besuch von Ines Hopfgartner. „Sie sprechen dann viel, manchmal kochen sie gemeinsam oder hören Musik. Meine Mutter isst und trinkt schon ihr ganzes Leben lang sehr wenig. Ines unterstützt sie dabei und hilft ihr, besser auf sich zu achten. Sie ist nicht nur in ihrer Rolle als Psychologin da, sondern auch als Begleiterin in dieser Zeit.“

Ein Netzwerk, das Sicherheit gibt

Zusätzlich zu ihrer Ausbildung als Psychologin ist Ines Hopfgartner auch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Das pflegerische Wissen im Hintergrund zu haben, komme ihr im Umgang mit Menschen mit Demenz, aber auch in der Zusammenarbeit mit Pflegediensten sehr zugute, sagt sie.

Einer der wichtigsten Faktoren in ihrer Arbeit sei die Fähigkeit, vernetzt zu denken und möglichst viele Unterstützungsangebote im Blick zu haben: Die Pflegenahversorgung, Haus- und Fachärzte, mobile Dienste wie die Hauskrankenpflege, eine 24-Stunden-Betreuung, Hospiz- und Palliativteams, Ehrenamtsorganisationen und vieles mehr. Angehörige kennen diese Möglichkeiten häufig gar nicht.

„Wesentlich ist es, ein Netzwerk rund um den Menschen mit Demenz aufzubauen. Dadurch wird das Gefühl der Verantwortung an mehrere Personen übertragen, was zu einer spürbaren Entlastung der Angehörigen führt, ihnen Sicherheit gibt und Druck nimmt.“

Je früher die Begleitung beginnt, desto besser

„Wichtig ist, dass Angehörige sich frühzeitig bei uns melden. Nicht erst, wenn sie selbst völlig erschöpft sind und nicht mehr können. Denn je früher man mit der Begleitung beginnt, desto besser kann die Beziehung wachsen und desto eher kann das gesamte Familiensystem entlastet werden.“

Mehr Sicherheit für die ganze Familie

Für Frau K. hat sich seit Beginn der Begleitung durch das Mobile Demenz-Team auch das Verhältnis zu ihrer Mutter entspannt. „Es hilft sehr, wenn jemand von außen auf die Situation schaut und dabei unterstützt, Verhaltensweisen besser einzuordnen. Bei meiner Mutter habe ich jetzt das Gefühl, dass sie sich sicherer fühlt. Ich würde mir wünschen, dass eine solche Unterstützung in unserer Gesellschaft für alle Menschen zugänglich wäre.“

Ein Satz aus der Demenzhilfe sei ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Menschen mit Demenz können von anderen Menschen oft mehr Unterstützung annehmen als von jemandem aus der Familie. Das beobachten wir jetzt auch.“

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Ihre Ansprechperson zu dieser Story

Dr.in Roberta Rastl-Kircher
Pressesprecherin & Medienarbeit