Essstörungen: 5 bis 10% aller Mädchen und jungen Frauen sind betroffen

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28. Januar 2026
Essstörungs WGs sind hilfreich, damit eine Therapie langfristig erfolgreich sein kann

Die Essstörung schränkt dich einfach so massiv ein. Es ist einfach kein Leben mit Essstörung.

Nadine, 18 Jahre, Bewohnerin der WG Kaya der Diakonie in Linz

Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie gehören zu den besonders schwierigen und langwierigen Erkrankungen. 5 bis 10% aller Mädchen und jungen Frauen in Österreich sind betroffen. Sie leiden an Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie. Auch Burschen sind betroffen, allerdings viel seltener.

Therapien bekommen Jugendliche oftmals stationär in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, also im Krankenhaus. Der Alltag daheim nach der Therapie, führt allerdings bei vielen wieder zu einem Rückfall. Deshalb kann eine Unterbringung in speziellen Wohngemeinschaften oft helfen. Allerdings gibt es da zu wenige Plätze.

Wie funktioniert die Behandlung gegen Essstörungen in einer Wohngemeinschaft?

Seit 9 Monaten wohnt Nadine Wagner in der Wohngemeinschaft „Kaya“ der Diakonie in Linz. Sie hat wegen Magersucht schon drei Krankenhausaufenthalte hinter sich und wollte sich ihr Leben nicht länger von der Magersucht diktieren lassen.

Nadine: „Es war immer so ein auf und ab. Klinik und daheim. Nach einem längeren Zeitraum war dann die Essstörung wieder da. Dann wieder Klinik und irgendwann war es dann auch für mich genug und ich habe dann auch für mich beschlossen: So Nadine, du machst das jetzt und du schaffst das jetzt. Weil ja, es ist einfach keine Zukunft mit der Essstörung. Die schränkt dich einfach so massiv ein. Und ja, es ist einfach kein Leben mit Essstörung."

Trotzdem war es für Nadine schwer, sich daran zu gewöhnen, dass es in der WG immer genug zu essen, und einen ganz klaren Rahmen für die Mahlzeiten gibt. Wenn ein Mädchen einzieht, wird sogar darauf geachtet, dass sie nicht zu kleine Bissen machen.

Die Leiterin der WG Kaya, Nadine Lindner, schildert das Leben in der WG so: „In der WG ist immer jemand da. Es gibt Therapien und gemeinsame Ausflüge. Zu Hause bei Eltern und Geschwistern ist das Gesundwerden für viele schwerer. Und auch die Familien sind zu Hause meist stark belastet. Es gibt Geschwisterkinder, die auch unter der ganzen Situation einfach leiden und damit ist es oft ganz wichtig, in einem anderen Setting Veränderung möglich zu machen.“

Es gibt zu wenige Plätze in den Wohngemeinschaften zur Behandlung von Essstörungen 

Derzeit gibt es nur in Linz und in Innsbruck eine Wohngemeinschaft für Jugendliche mit Essstörungen. Die Linzer WG-Leiterin Nadine Lindner würde einen Ausbau des Angebots begrüßen, denn: „Wartezeiten können einen weiteren Krankenhausaufenthalt notwendig machen. 2 oder 3 Monate, wo ein Kind zu Hause wenig oder gar nichts isst, ist fürs ganze Familiensystem einfach wahnsinnig belastend und sehr gefährlich“, sagt Lindner.

Ein erfolgreiches Beispiel ist Sabrina

Wie hilfreich die Wohngemeinschaft ist, hat Sabrina Geißler erlebt. Die 20-Jährige kommt noch immer gern zu Besuch in die WG. Eineinhalb Jahre hat sie hier gelebt, dann hat sie gemerkt, sie ist bereit auszuziehen. „Ich habe dann schon den Drang gehabt, dass ich zu planen anfange: wie geht es weiter danach, wo will ich hinziehen. Ich war dann viel mehr draußen mit Freunden. Also da war dann viel mehr Leben und weniger Essstörung. Ich glaube, das war so das, wo ich am meisten gemerkt habe, so jetzt geht es los“.

Auch die 18-jährige Nadine entdeckt in der WG gerade, was das Leben alles zu bieten hat: „Ja, ich finde das einfach so, so schön, dass man sich auch wieder entwickeln kann und zu einer lebensfreudigen Person zu werden“. Sie macht jetzt eine Ausbildung zur Kindergartenassistentin. Im Februar will sie in eine eigene Wohnung ziehen.