Freiwillige besuchen Menschen mit Demenz zuhause

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19. September 2026
Wenn Worte fehlen, bleibt die Verbundenheit. Besuche von Freiwilligen sind ein wichtiges Mittel gegen Einsamkeit

Monika Rendl begleitet Freiwillige, die sich im Besuchsdienst der Diakonie in Salzburg engagieren. Sie ist Freiwilligen-Koordinatorin, und spricht hier über die Möglichkeiten der Begleitung von Menschen mit Demenz durch den Freiwilligen Besuchsdienst.

Begleiten Freiwillige im Besuchsdienst auch Menschen mit Demenz?

Ja, unsere Freiwilligen begleiten im Besuchsdienst auch Menschen mit Demenz – allerdings nicht jede Person und nicht in jedem Stadium der Erkrankung. Entscheidend ist weniger die Diagnose selbst, als das individuelle Verhalten und die emotionale Grundstimmung des Menschen.

Vergleichsweise gut bewältigen können viele Freiwillige, wenn die Person mit Demenz Dinge wiederkehrend erzählt oder dieselben Fragen oft wiederholt.

Bei Menschen mit Demenz können, je nach Ausprägung, aber auch herausfordernde Verhaltensweisen auftreten. Das wäre etwa Getriebenheit, depressive Verstimmungen und Rückzug, Ängste oder Aggressionen. Manche haben auch starke Einschränkungen der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Das kann für Freiwillige bei ihren Besuchen schwierig sein, und hierauf achten wir.

Welche Voraussetzungen braucht es für ein freiwilliges Engagement?

Wichtig ist, dass sich die Freiwilligen bewusst auf diese Aufgabe einlassen möchten. Vor einer Vermittlung erhalten sie daher umfassende Informationen über den Zustand der betroffenen Person sowie Literaturempfehlungen und eine engmaschige Begleitung.

Die vorgesehene Probezeit bietet beiden Seiten die Möglichkeit zu prüfen, ob die Begleitung gut passt. Auch regelmäßiger Austausch mit den Angehörigen – sofern vorhanden – trägt wesentlich zum Gelingen bei. Ein stabiles soziales Umfeld und Lebenserfahrung kann Freiwilligen helfen, den Besuchsdienst sicher und mit Freude auszuüben.

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Gibt es konkrete Tipps, wie Freiwillige ihre Besuche gestalten können?

Für die Besuche empfehlen wir gemeinsame Aktivitäten. Ein Spaziergang, Vorlesen oder einfache Spiele schaffen oft leichter einen Zugang als ein reines Gespräch. Wenn die Mobilität es zulässt, können auch kleine Ausflüge, etwa in ein Café oder in die Stadt, schöne gemeinsame Erlebnisse ermöglichen. Dabei sind Wertschätzung und Geduld der Freiwilligen wichtige Voraussetzungen.

Was passiert, wenn die Demenz im Lauf der Zeit fortschreitet?

Wir beobachten gemeinsam mit den Freiwilligen und – wenn möglich – den Angehörigen kontinuierlich, wie sich Verhalten, Kommunikation und Allgemeinzustand entwickeln.

Ein Beispiel zeigt, wie sich eine Begleitung verändern kann: Ein Herr wird seit acht Jahren im Besuchsdienst begleitet, inzwischen bereits von der dritten Freiwilligen. Die aktuelle Freiwillige besucht ihn seit vier Jahren. Seine Demenz ist in dieser Zeit deutlich fortgeschritten, seine Sprache stark eingeschränkt.

Schon früh hat sie bemerkt, dass er gerne singt und reimt. Heute singen beide bei ihren Spaziergängen gemeinsam Lieder oder sie beginnt kurze Sätze, die er mit einem Reim ergänzt. Die gemeinsame Kommunikation funktioniert heute anders als früher, bleibt aber lebendig. Er weiß zwar nicht mehr, wie sie heißt, aber auf emotionaler Ebene erkennt er sie wieder und freut sich.

Werden Freiwillige auf das Thema Demenz vorbereitet?

Wenn bereits vor einer Vermittlung bekannt ist, dass eine Person an Demenz erkrankt ist, bereiten wir die Freiwilligen gezielt darauf vor. Sie erhalten Informationen über das konkrete Verhalten der Person, über mögliche Herausforderungen und über Grundlagen zum Krankheitsbild. Ergänzend stellen wir Literatur zur Verfügung und besprechen mögliche Situationen ausführlich.

Ebenso wichtig ist es, über die positiven Seiten der Begleitung zu sprechen: Viele Freiwillige erleben, wie wertvoll ihre Besuche sind und wie viel Freude gemeinsame Momente trotz der Erkrankung bereiten können.

Wie sollen Freiwillige reagieren, wenn sich bei einer besuchten Person Anzeichen einer Demenz zeigen?

Wir ermutigen alle Freiwilligen, Veränderungen aufmerksam wahrzunehmen. Dazu gehören beispielsweise auffällige Verhaltensänderungen, Vernachlässigung der Wohnung oder der Körperpflege, Orientierungsschwierigkeiten oder Hinweise darauf, dass alltägliche Aufgaben zunehmend schwerfallen. Die wichtigste Ansprechperson ist immer die Koordinatorin. Freiwillige sollen ihre Beobachtungen niemals direkt mit der betreuten Person besprechen, sondern diese vertraulich weitergeben. So bleiben Würde, Respekt und persönliche Grenzen gewahrt.

Ein Beispiel zeigt, wie wichtig diese Rückmeldungen sein können:

Eine Freiwillige bemerkte über längere Zeit, dass sich der Zustand einer Seniorin zunehmend verschlechterte. Sie konnte ihr Geld nicht mehr verwalten, verlor Gewicht, fand den Heimweg nicht mehr und verwahrloste zunehmend.

Durch die Rückmeldung der Freiwilligen konnte gemeinsam mit dem Bewohnerservice, dem Magistrat sowie weiteren Einrichtungen im Stadtteil ein Unterstützungsnetz aufgebaut werden. Schließlich wurde eine Erwachsenenvertretung eingerichtet und später ein Platz in einem Seniorenheim organisiert. Die Freiwillige hielt den Kontakt bis zum Lebensende der Seniorin aufrecht.

Du möchtest dich freiwillig und ehrenamtlich engagieren? Lass dich von anderen Freiwilligen inspirieren und finde deine Einsatzstelle in der Diakonie-Freiwilligenbörse.

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Wie profitieren Menschen mit Demenz vom Besuchsdienst?

Für viele Menschen mit Demenz bedeutet der Besuchsdienst vor allem soziale Teilhabe. Sie erleben Zuwendung, Geduld und Wertschätzung durch einen Menschen, der sich bewusst Zeit für sie nimmt.

Die emotionale Ebene bleibt erhalten – auch dann, wenn viele kognitive Fähigkeiten bereits verloren gegangen sind. Deshalb können gemeinsame Erlebnisse, vertraute Rituale oder Gespräche über frühere Lebensabschnitte sehr viel Positives auslösen. Oft profitieren auch Angehörige, weil regelmäßige Besuche Entlastung schaffen.

Auch die Freiwilligen selbst gewinnen viel. Sie lernen den Umgang mit einer Erkrankung kennen, die gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung gewinnt. Viele berichten, dass sie persönlich gewachsen sind, neue Seiten an sich entdeckt haben und auch schwierige Situationen bewältigen konnten. Neben berührenden Momenten erleben sie häufig Humor, Nähe und echte Verbundenheit. Gleichzeitig lernen sie, eigene Grenzen wahrzunehmen und gut auf sich selbst zu achten.

Besuchsdienst für Gespräche, Spaziergänge und Unternehmungen
© Josef Blaschko

Der Freiwilligen-Besuchsdienst

Die Freiwilligen-Netzwerke in der Stadt Salzburg sind ein kostenloser Besuchsdienst für zu Hause. Dadurch bietet sich für Menschen im Alter die Möglichkeit, zuverlässige und vertrauensvolle Menschen kennenzulernen und neue Bekanntschaften zu schließen. Ziel ist es, mithilfe neuer sozialer Kontakte Einsamkeit zu bekämpfen und so eine lebendige „Caring Community“, also ein sorgendes Umfeld zu schaffen.

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Ihre Ansprechperson zu dieser Story

Dr.in Roberta Rastl-Kircher
Pressesprecherin & Medienarbeit