Wenn Glücksspiel zum Problem wird: „Die Droge ist heute in der Hosentasche“
- News
Ein kleiner Einsatz, ein großer Gewinn – und das Gefühl, alles im Griff zu haben. Für manche Menschen wird aus dem vermeintlichen Spielspaß jedoch eine Sucht, die zunehmend den gesamten Alltag bestimmt. „Bei Glücksspiel ist Zufall ein wichtiger Faktor. Betroffene gehen aber davon aus, dass sie das Spiel unter Kontrolle haben und sogar mit Fachwissen das Ergebnis beeinflussen können“, erklärt Dr. Hannes Sterbenz, Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt Psychotherapeutische Medizin an der Spielsuchtambulanz der Diakonie de La Tour in Villach.
Wenn aus Spielen eine Sucht wird
Glücksspielsucht entwickelt sich meist schleichend. Oft beginnt es mit gelegentlichen Spielen oder Sportwetten. Problematisch wird es, wenn Glücksspiel immer mehr Raum einnimmt und beispielsweise dazu dient, Langeweile, Stress oder andere unangenehme Gefühle zu verdrängen.
„Die Fachwelt nennt die Glücksspielsucht pathologisches bzw. zwanghaftes Spielen. Bei Glücksspielsucht kommt es zu übermäßigem und unkontrolliertem Glücksspiel.“ (Quelle: Glücksspielsucht | Gesundheitsportal) Das Gesundheitsportal schreibt weiters, dass man davon ausgeht, dass ungefähr 40.000 bis 60.000 Menschen von Glücksspielsucht nur bezogen auf Automatenspiel und Glücksspiel im Casino in Österreich betroffen sind.
Sportwetten werden unterschätzt
Sportwetten gelten für viele Menschen nicht als klassisches Glücksspiel. Sie sind gesellschaftlich stark normalisiert und gerade für junge Sportbegeisterte leicht zugänglich. „In Österreich haben Sportwetten einen Sonderstatus und werden rechtlich nicht als Glücksspiel definiert.“, sagt Dr. Sterbenz. Daher gibt es hier weniger starke Regulierungen als beim klassischen Glücksspiel.
„Sportwetten werden völlig unterschätzt und sind leider oft die Einstiegsdroge in das Glücksspiel“, sagt Dr. Sterbenz. Durch das Smartphone ist die nächste Wette jederzeit nur wenige Klicks entfernt. Glücksspiel ist heute anonym, rund um die Uhr und praktisch überall möglich.
Die Sucht bleibt oft lange verborgen
Glücksspielsucht ist stark mit Scham verbunden. Viele Betroffene verheimlichen ihr Verhalten – vor anderen und häufig auch vor sich selbst. Das belastet Beziehungen und Familien enorm. Auch Angehörige fühlen sich oft hilflos. Doch sie können die Sucht nicht alleine lösen. „Das Wichtigste ist, dass auch Angehörige sich beraten lassen. Termine dazu können jederzeit in unserer Suchtambulanz vereinbart werden.“, betont Dr. Sterbenz.
Hilfe ist möglich
Die Spielsuchtambulanz der Diakonie de La Tour in Villach unterstützt Betroffene und Angehörige kostenlos und vertraulich. Eine Überweisung ist nicht notwendig. Im multiprofessionellen Team arbeiten Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen, Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen zusammen. Dabei geht es nicht nur um die Sucht selbst. Sozialarbeiter:innen unterstützen beispielsweise dabei die geeignete Schuldnerberatung zu finden oder Behördenwege zu erledigen.
Wenn eine ambulante Behandlung nicht ausreicht, kann auch eine stationäre Therapie vorbereitet werden. Eine Nachbetreuung ist ebenfalls möglich. Die stationäre Therapie ist im Krankenhaus de La Tour in Treffen möglich, bzw. ab 2027 in der Diakonie Klinik Waiern.
Wichtig ist: Je früher Betroffene über ihr Glücksspielproblem sprechen, desto früher kann Unterstützung beginnen.
Glücksspielsucht ist keine Frage von mangelndem Willen. Der Weg aus der Sucht beginnt oft mit einem einfachen Schritt: Hilfe holen und darüber sprechen.