Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien haben das Recht, gehört und in Entscheidungen einbezogen zu werden, die ihr Leben betreffen.

Für uns bedeutet Beteiligung, verständlich informiert zu sein, die eigene Meinung einbringen und das eigene Leben mitgestalten zu können. Wer erlebt, dass die eigene Stimme zählt und etwas bewirken kann, erfährt Selbstwirksamkeit und kann zunehmend Verantwortung übernehmen.

Je nach Alter, Entwicklung und Situation reicht Beteiligung von Information und Mitsprache über Mitbestimmung bis hin zu Selbstbestimmung.

Beteiligung ist eine Haltung

Jeder Mensch hat eine eigene Perspektive, eigene Rechte und Vorstellungen für sein Leben. Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien sind Expert:innen für ihre Lebenswelt. Wir hören zu, nehmen unterschiedliche Sichtweisen ernst und schaffen Möglichkeiten, Wünsche, Bedürfnisse und Ideen einzubringen.

Als diakonische Einrichtung ist Beteiligung für uns Ausdruck der Würde jedes Menschen. Unser Anspruch ist es, nicht nur für Menschen, sondern mit ihnen zu arbeiten. Wir stärken Menschen darin, für sich selbst zu sprechen, eigene Entscheidungen zu treffen und ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu gestalten.

Nicht alles kann gemeinsam entschieden werden. Fachkräfte tragen Verantwortung – insbesondere für den Schutz und das Wohl von Kindern und Jugendlichen. Deshalb machen wir transparent, wo Mitgestaltung möglich ist, wer welche Verantwortung trägt und wo Grenzen liegen.

So wird Beteiligung erlebbar

Wie Menschen ihre Wünsche und Interessen einbringen können, hängt von ihrem Alter, ihren Fähigkeiten, ihrer Lebenssituation und dem jeweiligen Angebot ab. Ein kleines Kind braucht andere Möglichkeiten als Jugendliche oder junge Erwachsene.

Beteiligung kann zum Beispiel bedeuten:

  • zwischen verschiedenen Möglichkeiten auszuwählen
  • den eigenen Alltag und das eigene Umfeld mitzugestalten
  • Wünsche und Bedürfnisse einzubringen
  • persönliche Ziele zu formulieren
  • gemeinsame Regeln und Abläufe mitzugestalten
  • bei wichtigen Fragen des eigenen Lebens mitzuwirken

Nicht jede kann oder möchte Anliegen auf dieselbe Weise ausdrücken. Deshalb braucht es passende Formen, ausreichend Zeit und Menschen, die aufmerksam zuhören.

Auch Eltern, Familien und wichtige Bezugspersonen beziehen wir entsprechend dem jeweiligen Angebot ein. Ihre Erfahrungen und Sichtweisen sind wertvoll. Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Rechte, Bedürfnisse und Perspektiven des Kindes oder jungen Menschen im Mittelpunkt bleiben.

Beteiligung im Alltag und bei wichtigen Entscheidungen

Mitbestimmung zeigt sich besonders im Alltag: bei Aktivitäten, gemeinsamen Regeln, Abläufen oder der Gestaltung des eigenen Umfelds. Verlässliche Gesprächsmöglichkeiten schaffen Raum, um Anliegen einzubringen, gemeinsam Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen.

Auch bei wesentlichen Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen, sollen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihre Sichtweise einbringen können. Dazu gehört, Informationen verständlich aufzubereiten und sie dabei zu unterstützen, eigene Wünsche und Interessen zu formulieren.

In unseren stationären Angeboten ist dies besonders wichtig, weil die Wohngruppe für Kinder und Jugendliche ihr Lebensort ist. Sie gestalten das Zusammenleben mit und werden alters- und entwicklungsgerecht in ihre Betreuungs- und Hilfeplanung einbezogen. Eltern und wichtige Bezugspersonen bleiben – unter Berücksichtigung des Kindeswohls – wichtige Partner.

Information schafft Orientierung

Wer mitgestalten soll, muss wissen, worum es geht.

Deshalb müssen Informationen verständlich und zugänglich sein. Die Menschen in unseren Angeboten sollen ihre Rechte und Möglichkeiten kennen und wissen, welche Entscheidungen anstehen, wo sie Einfluss nehmen können und wer Verantwortung trägt.

Für Kinder und Jugendliche bedeutet das auch, Zusammenhänge alters- und entwicklungsgerecht zu erklären und sie dabei zu unterstützen, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Verantwortung teilen – Grenzen transparent machen

Echte Beteiligung braucht Fachkräfte, die zuhören, nachfragen, verständlich informieren und unterschiedliche Meinungen aushalten. Sie braucht aber auch die Bereitschaft, Gestaltungsspielräume zu eröffnen und die eigene Rolle zu reflektieren.

Dabei stellen wir uns immer wieder drei Fragen:

Was können wir gemeinsam entscheiden?
Was kann ein Mensch selbst entscheiden?
Wo müssen wir Verantwortung übernehmen?

So wird deutlich, wo Mitbestimmung möglich ist – und wo es Grenzen gibt.

Selbstwirksamkeit erfahren

Wenn Menschen erleben, dass ihre Meinung zählt und ihr Handeln etwas bewirken kann, stärkt das ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Ich werde gehört.
Ich kann mitgestalten.
Ich kann etwas bewirken.

Beteiligung ist deshalb für uns keine einzelne Methode. Sie ist Teil unserer Haltung und unseres täglichen Miteinanders.

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