Informationsmaterialien zum Thema für Jugend- und Schulgruppen
Die Diakonie unterstützt Menschen, damit sie in sozialen Krisen nicht alleine sind und Halt und Wege aus der Krise finden. Besonders Wohnungslosigkeit, psychosoziale Notlagen und gesundheitliche Probleme sind Themen, derer sich die Diakonie annimmt.
Unsere Haltung und unsere Botschaft an junge Menschen:
Armut kann jede oder jeden treffen. Dennoch sind manche Gruppen stärker betroffen, etwa Alleinerziehende, Erwerbslose oder Kranke. Ursachen sind oft strukturell, wie Wirtschaftskrisen, Veränderungen am Arbeitsmarkt, Alter oder Krankheit. Armut führt häufig zu Scham, Rückzug und Einsamkeit.
Armut ist keine Frage des Verzichts. Armut ist Hungern, nicht Fasten. Sie nimmt Selbstbestimmung, die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen. Wir alle wünschen uns ausreichende Lebensgrundlagen und damit Handlungsspielräume. Nur so können wir uns die Freiheit nehmen, zu verzichten.
Jeder Mensch hat das Recht auf Existenzsicherung und gesellschaftliche Teilhabe in Österreich. Als „Res Publica“, unsere gemeinsame Sache, tragen wir Verantwortung dafür, dass grundlegende Bedürfnisse wie Wohnen, Nahrung, Gesundheit und Bildung gesichert sind und dass alle Menschen am öffentlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben teilhaben können. Leistungen für Armutsbetroffene sind keine wohlgemeinten Geschenke, sondern Ansprüche, die ihnen zustehen.
Gerechte Verteilung stärkt die Gesellschaft. Wo Einkommen und Chancen fairer verteilt sind, gibt es weniger Krankheiten, Kriminalität und soziale Spannungen. Bildung, Vertrauen und Umweltbewusstsein nehmen dagegen zu. Von gerechter Verteilung profitieren also alle, nicht nur Menschen mit geringem Einkommen.
Materialien:
Was bedeutet es, in Österreich arm zu sein? Dieses Factsheet fasst die wichtigsten Fakten und Zahlen zum Thema anschaulich und kompakt zusammen.
Wie reden wir über Menschen in Armut oder Krisen? Dieser Leitfaden erläutert geeignete bzw. diskriminierende Begriffe zum Thema und hilft, eine respektvolle Debatte in Schulen und Jugendgruppen zu führen.
Unterrichtsmaterialien der Armutskonferenz:
Die Diakonie Österreich ist Mitbegründerin und Mitglied der Österreichischen Armutskonferenz. Die Armutskonferenz ist ein österreichisches Netzwerk von Organisationen, das sich gegen Armut und soziale Ausgrenzung einsetzt und die Interessen armutsbetroffener Menschen vertritt. Diese hat 2025 Unterrichtsmaterialien für alle Schulstufen zum Thema „Armut und soziale Ungleichheit“ entwickelt, welche wir für Schulklassen und Jugendgruppen empfehlen.
Filme zu unseren Einrichtungen:
Häferl in Wien: Ein Wirtshaus für Alle
Video 2026, 8:48 Minuten, Diakonie Österreich
Das Häferl ist ein Wirtshaus für alle. Alle, die Hunger haben, alle die einsam sind und lieber in Gesellschaft essen und ebenso alle, die einen konsumfreien Raum zum Verweilen und Erholen suchen, sind eingeladen. An fünf Tagen die Woche wird ein frisch gekochtes, 3-gängiges Menü an den Tisch serviert. Der größte Unterschied zu anderen Wirtshäusern ist, dass es am Ende keine Rechnung für die Gäste gibt.
Filmempfehlungen:
2023, Österreich, 16:45 Minuten, Erklärvideo
Das Erklärvideo der Armutskonferenz zeigt, dass Armut in Österreich oft unsichtbar ist und mehr bedeutet, als nur wenig Geld zu haben. Es zeigt anhand alltäglicher Beispiele, wie Menschen auf Heizen, gutes Essen, soziale Aktivitäten oder unerwartete Ausgaben verzichten müssen. Armut wird als gesellschaftliches und strukturelles Problem dargestellt, nicht als persönliches Versagen. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und sichtbar zu machen, wie Armut Teilhabe und Chancen einschränkt.
2016, Großbritannien, 74 Minuten
„Ich, Daniel Blake“ erzählt von einem 59-jährigen Schreiner aus Newcastle, der nach einem Herzinfarkt nicht mehr arbeiten kann, aber trotzdem vom Sozialsystem als arbeitsfähig eingestuft wird. Der Film zeigt seinen frustrierenden Kampf mit der Bürokratie und dem Gefühl, von den Behörden nicht ernst genommen zu werden.
Dabei lernt Daniel die alleinerziehende Mutter Katie und ihre zwei Kinder kennen, die ebenfalls in großer Not sind. Aus ihrer gemeinsamen Solidarität entsteht eine kleine Schicksalsgemeinschaft, die sich gegen Armut und soziale Kälte behaupten will.
Der Film macht vor allem deutlich, wie entwürdigend ein unpersönliches Sozialsystem sein kann. Er ist ein aufrüttelndes Drama über Würde, Hilflosigkeit und menschlichen Zusammenhalt.
2002, Finnland/Deutschland, 97 Minuten, Themen: Obdachlosigkeit und Würde.
„Der Mann ohne Vergangenheit“ erzählt von einem Mann, der nach einem Überfall sein Gedächtnis verliert und sich in Helsinki ein völlig neues Leben aufbaut. Ohne Namen und Vergangenheit findet er Hilfe bei Menschen am Rand der Gesellschaft, besonders bei Irma von der Heilsarmee.
Der Film zeigt, wie schwer es ist, ohne Identität und soziale Sicherheit in der Gesellschaft zu bestehen. Gleichzeitig ist er eine ruhige, aber hoffnungsvolle Geschichte über Neuanfang, Solidarität und Liebe.
2018, Deutschland, 120 Minuten, Themen: prekäre Beschäftigung und Entfremdung
„In den Gängen“ erzählt von Christian, der in einem Großmarkt neu anfängt und dort langsam seinen Platz findet. Besonders Bruno aus der Getränkeabteilung hilft ihm dabei und wird für ihn zu einer Art Freund und Mentor. Gleichzeitig verliebt sich Christian in Marion aus der Süßwarenabteilung, die ihm immer wieder nah zu sein scheint, obwohl sie verheiratet ist.
Der Film zeigt mit viel Ruhe und Feingefühl den Alltag im Großmarkt und die stillen Beziehungen zwischen den Menschen dort. Es geht um Einsamkeit, Hoffnung, Freundschaft und die Suche nach einem kleinen Glück im Arbeitsalltag.