Die Diakonie fordert die konsequente Umsetzung von inklusiver Bildung in Österreich. Inklusive Bildung zahlt sich aus – und das von der Kinderkrippe bis zur Universität. Denn Verschiedenheit bringt mehr Lernchancen für alle.

Inklusive Bildung ist gute Bildung für alle Kinder!

Alle Kinder verdienen Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die ihre unterschiedlichen Talente fördern. So können sie zu selbstbestimmten und verantwortungsvollen Persönlichkeiten werden.  

Egal wie sie aussehen, welche Sprache sie sprechen oder ob sie Behinderungen haben: Es ist an der Zeit, österreichweit einheitliche und verbesserte Rahmenbedingungen für eine inklusive und gute Bildung für alle Kinder zu schaffen.

Was heißt inklusive Bildung?

  • Es ist normal, dass es Kinder mit Behinderungen gibt, deshalb ist eine Schule ohne Kinder mit Behinderungen keine normale Schule. 
  • Es ist normal, dass es Kinder mit verschiedener sozialer Herkunft gibt – deshalb ist eine Schule ohne Kinder aus ärmeren Elternhäusern keine normale Schule. 
  • Es ist normal, dass Kinder unterschiedlich sind.

Inklusion bedeutet, dass keine Person ausgeschlossen wird. Jeder Mensch wird akzeptiert und kann gleichberechtigt und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben.  

Inklusiver Unterricht stellt das einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten, seinem individuellen Tempo und Lernstil ins Zentrum. Dieser pädagogische Ansatz kommt allen Kindern zugute, unabhängig davon, ob sie Behinderungen haben oder nicht.

Es ist normal, dass Kinder unterschiedlich sind. Inklusiver Unterricht stellt das einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten, seinem individuellen Tempo und Lernstil ins Zentrum. / © Diakonie

Inklusion bedeutet: gemixt! Es sind einfach alle zusammen im Klassenraum.

Maya, Schülerin in der integrativen Oberstufe des Evangelischen Realgymnasium Donaustadt

Inklusion bedeutet für mich, dass man jeden Menschen, so wie er ist –  egal, ob er eine Beeinträchtigung hat oder nicht – am Weg begleitet und voneinander lernt.

Laura, Pädagogin im Evangelischen Realgymnasium Donaustadt

Inklusion in der Schule

Österreich hat sich mit der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) also verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen. Tatsächlich ist inklusive Schulbildung in Österreich aber nur bis zum Ende der Pflichtschule gesetzlich verankert.  

Im Anschluss an die Sekundarstufe I wird Schüler:innen mit Behinderungen, wenn überhaupt, nur im Rahmen von Schulversuchen die Möglichkeit gegeben, weiterhin Schulbildung zu genießen.

Handlungsbedarf bei der inklusiven Bildung

Entsprechend der UN-Behindertenrechtskonvention ist Österreich verpflichtet, Menschen mit Behinderungen vom Kindergarten bis zur Universität sowie im lebenslangen Lernen Bildung zu ermöglichen. Von echter Inklusion sind wir jedoch noch weit entfernt. Wir fordern daher, inklusive Bildung als durchgängigen Auftrag im gesamten Bildungssystem konsequent umzusetzen.

Inklusive Bildung statt Sonderschulen

Im Schuljahr 2024/2025 hatten 5% aller Schüler:innen an Pflichtschulen in Österreich einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Mehr als ein Drittel der betroffenen Kinder wird weiterhin in Sonderschulen unterrichtet. Gleichzeitig werden Sonderschulen erhalten und neu gebaut, während dort nach wie vor mehr Ressourcen zur Verfügung stehen als in inklusiven Schulen. Wir fordern, dass Ressourcen so verteilt werden, dass Kinder mit Behinderungen auch in inklusiven Schulen die nötige Unterstützung erhalten und Sonderschulen überflüssig werden.

Inklusion in der Oberstufe

Für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) gibt es nach der Pflichtschule bislang kaum inklusive Bildungsangebote. Ein Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr fehlt ebenso wie die Öffnung aller Oberstufenformen. Bisher sind solche Wege meist nur über Schulversuche oder Einzelfalllösungen möglich. Wir fordern daher einen Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr sowie die Öffnung aller Schulformen der Oberstufe für Kinder mit SPF.

Nachmittagsbetreuung

Für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gibt es oft keine oder keine geeignete Nachmittagsbetreuung. Diese Lücke erschwert nicht nur ihre Teilhabe, sondern belastet auch ihre Familien, die Erwerbsarbeit und Betreuung oft kaum vereinbaren können. Wir fordern eine flächendeckende, verlässliche und inklusive Nachmittagsbetreuung für Kinder mit und ohne Behinderungen.

Schulassistenz

Inklusive Bildung braucht passende Unterstützung im Alltag. Zwar zeigt Schulassistenz dort, wo sie gut aufgestellt ist, große Wirkung, doch österreichweit ist sie weder einheitlich noch ausreichend finanziert. Wir fordern daher eine österreichweit einheitlich gut ausgestattete und verlässlich umgesetzte Schulassistenz.

Kindergarten

Inklusion beginnt im Kindergarten, doch auch hier bestehen große Lücken. Viele Kinder mit erhöhtem Förderbedarf erhalten keinen geeigneten Platz oder werden vom verpflichtenden Kindergartenjahr befreit, weil Kapazitäten fehlen. Gerade in den frühen Lebensjahren sind jedoch Bildung und pädagogische Begleitung besonders wichtig. Wir fordern bessere Rahmenbedingungen in der Elementarpädagogik, genügend Plätze für alle Kinder und inklusives Lernen von Anfang an.

UN-Behindertenrechtskonvention 

In Österreich ist die UN-Behindertenrechtskonvention seit 2008 in Kraft. Sie muss bei der Gesetzgebung und der Vollziehung berücksichtigt werden. Laut Artikel 24 der Konvention „gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen“. 

UN-Behindertenrechtskonvention im Volltext

UN-Behindertenrechtskonvention in Leichter Lesen

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Gute Bildung für alle!

Inklusion in der Schule – was heißt das? Und was sind die Unterschiede zwischen Inklusion, Integration und Exklusion? Die Schülerin Maya und die Pädagogin Laura erklären es.
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