Ein gutes Leben im Alter – das wünschen wir uns alle. Das angekündigte Reformpaket ist ein erster Meilenstein.

Ein wichtiger erster Schritt

Wir werden immer älter und das ist gut so. Der demografische Wandel in Verbindung mit einem zunehmenden Bedarf an Pflegekräften stellt unser aktuelles Pflegesystem aber vor eine Herausforderung.

Zum internationalen Tag der Pflege am 12. Mai hat die Bundesregierung ein Pflegereform-Paket präsentiert. In den kommenden zwei Jahren soll insgesamt 1 Milliarde in die Pflege investiert werden.

Die geplanten Maßnahmen sind ein wichtiger Meilenstein. Jetzt geht es um eine gute Zusammenarbeit von Bund und Ländern und den bedarfsgerechten Ausbau von Dienstleistungen.

Die Bundesregierung setzt einen ersten wichtigen Meilenstein für gute Pflege. Die nächste Etappe ist die Umsetzung in den Ländern und der Ausbau guter, bedarfsgerechter Pflegedienstleistungen.

Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich

Pflegekräfte im Mittelpunkt der Pflegereform

Bis 2030 brauchen wir bis zu 100.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte. Aktuell steigt der Bedarf an Pflegekräften stärker als das Angebot. Das aktuelle Reformpaket stellt die Pflegekräfte in den Mittelpunkt. Hier ein Auszug der wichtigsten Maßnahmen:

Pflegekräfte im Beruf halten

Gehaltserhöhungen und Entlastungsmaßnahmen sollen bestehendes Personal im Beruf halten. Ein wichtiger erster Schritt.

Die Verbesserungen beschränken sich aber auf Pflegeassistent:innen, Pflegefachassistent:innen und diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:innen. Ein gutes Leben mit Pflegebedarf braucht auch gute Betreuung. Die Verbesserungen sollten deshalb auf Diplom- und Fachsozialbetreuer:innen und Heimhelfer:innen ausgeweitet werden.

Mehr Personen für Pflege gewinnen

Neben der Wertschätzung und dem Halten von bestehendem Personal ist das Ziel, möglichst viele neue Pflegekräfte zu gewinnen.

Künftig sollen Pflegeschüler:innen und Pflegestudent:innen 600 Euro im Monat als Unterstützung bei den Lebenserhaltungskosten bekommen. Für Schüler:innen in Schulen für Sozialbetreuungsschulen und für Höhere Schulen und Fachschulen mit Pflege sollen zumindest die Praktikumszeit mit 600 Euro monatlich abgedeckt werden.

Berufsumsteiger:innen und Auszubildende in AMS geförderten Pflegeausbildungen sollen ein Pflegestipendium in der Höhe von 1.400 Euro erhalten.

Eine Ausbildung in der Pflege und Betreuung muss man sich leisten können. Die angekündigten Verbesserungen gehen in die richtige Richtung.

Anja Eberharter, Pflegeexpertin der Diakonie

Rahmenbedingungen für gute Arbeit schaffen

Im aktuellen Pflege- und Betreuungssystem fehlt es an Zeit. Zeit für jene Dinge, die die Pflege und Betreuung so attraktiv machen:

  • Zeit für die Menschen
  • Zeit für Beziehung

Eine der wichtigsten Forderungen für die zweite Etappe der Pflegereform ist deshalb die Erhöhung der Personal- und Betreuungschlüssel in der stationären Pflege und Betreuung und die Erhöhung der Normverrechnungssätze in der mobilen Pflege und Betreuung. Hier sind vor allem die Länder gefragt.

Nächster Schritt: Ausbau von Dienstleistungen

Die Erschwerniszulage, die vor allem Menschen mit Demenz gewährt wird, wird von 25 Stunden auf 45 Stunden erhöht. In der Praxis bedeutet das, dass viele Menschen mit Demenz eine Pflegestufe hinaufrücken.

Eine weitere Änderung beim Pflegegeld: Die erhöhte Familienbeihilfe wird künftig nicht mehr auf das Pflegegeld angerechnet. Dies schafft eine Verbesserung für Menschen mit Behinderungen.

Für pflegende Angehörige gibt es im aktuellen Paket einen Angehörigenbonus, verbesserte Ansprüche auf Pflegekarenz und Ersatzpflege und eine Ausweitung von Beratungsangeboten.

Die angekündigten Maßnahmen schaffen Verbesserungen für Menschen mit Pflegebedarf und deren Angehörige. Für ein gutes Leben mit Pflegebedarf und echte Unterstützung für pflegende Angehörige braucht es aber einen Ausbau von Dienstleistungen. Beispiele sind:

  • Mehrstündige Betreuungsangebote
  • Ersatzdienste in der Nacht und Ruhezeiten
  • Tagesbetreuungszentren

Die zweite Etappe der Pflegereform muss deshalb der Ausbau von Dienstleistungen nah am Menschen sein – das bedeutet den Bedürfnissen entsprechend in der Wohnumgebung („Sozialraumorientierung“).

Eine Grafik, die zeigt, dass es beim SING-Konzept um Welfaremix, Autonomie und Sozialraumorientierung geht.
Wahlfreiheit und Autonomie im Alter. / © Diakoniewerk

Das Modell SING

Bedarfsgerechte Pflege in Wohnortnähe? „SING – Seniorenarbeit innovativ gestalten“ könnte das möglich machen. Erfahren Sie hier mehr über das innovative Dienstleistungs- und Finanzierungskonzept der Diakonie.

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Wie willst du leben? Reformmodell „SING“ für ein gutes Leben im Alter

Im aktuellen Pflegesystem bestimmt das Angebot die Pflege. Weil das Angebot dem Bedarf und den Bedürfnissen der Betroffenen nicht gerecht wird, bleibt oft nur der Umzug ins Pflegeheim als Lösung. Dies widerspricht oft den Wünschen der Menschen mit Pflegebedarf und ist volkswirtschaftlich die teuerste Option. 

Die Diakonie schlägt als Lösung das Reformmodell SING – Seniorenarbeit innovativ gestalten vor, das Menschen mit Pflegebedarf und deren Wahlfreiheit in den Mittelpunkt stellt.  

SING verbindet den Ausbau von bedarfsgerechten Dienstleistungen in Wohnortnähe mit einer neuen Finanzierungslogik. So wird nicht nur die Autonomie der Menschen mit Pflegebedarf erhöht, auch die zu erwartende Kostensteigerung für die Pflege kann abgeflacht werden. 

Zwei Frauen gehen spazieren, eine der Frauen ist älter.
Zwei Frauen gehen spazieren, eine der Frauen ist älter. / © Rido - Stock.Adobe.com

10 Punkte zur Pflege

Ihre Überlegungen zur Zukunft der Pflege hat die Diakonie im Papier „10 Punkte für die Zukunft des Älterwerdens“ zusammengefasst. Zentrale Frage ist: Wie muss ein Miteinander beschaffen sein, so dass sich alle – von jung bis alt – versorgt und inkludiert fühlen?

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