Im Umgang mit Autist:innen gibt es laufend falsche Zuschreibungen, wenig Wissen, dafür viel Mitleid und große Unsicherheit. Betroffene wollen das ändern und machen 
sich öffentlich stark für ein mehrstimmiges Bild. 

Autismus: Wie nimmst du die Welt wahr? 

Jeder Mensch ist verschieden und wir alle erleben uns selbst und unsere Umwelt ein wenig anders. Eine andere Wahrnehmung der Welt führt oft zu Missverständnissen und kann es schwierig machen, miteinander in Beziehung zu treten. 

Autismus wird manchmal unterteilt in verschiedene Formen:  

  • Frühkindlicher Autismus 
  • Asperger-Syndrom  
  • High-Functioning-Autismus  
  • Atypischer Autismus  

Inzwischen geht die Wissenschaft dazu über, Autismus als Spektrum zu sehen. Das schließt alle Formen des Autismus ein und ist ein Überbegriff für die verschiedenen Typen, weil die Unterscheidung in der Praxis nicht immer eindeutig möglich ist. Außerdem zeigt der Begriff, dass Menschen mit Autismus zwar bestimmte Merkmale gemeinsam aufweisen, aber die Ausprägung dieser Merkmale von Person zu Person unterschiedlich sein kann. 

Was ich besonders gut kann: Probleme lösen! In Mathe bin ich sehr gut. Früher war es manchmal so, dass mich Lehrerinnen und Lehrer nicht verstanden haben. Und mir war so oft langweilig in der Schule, dass ich nicht gut mitgemacht habe. Jetzt bekomme ich eigene Aufgaben. 

Was ich nicht mag: Wenn ich etwas nicht verstehe, das mag ich nicht. Und Gewalt, die mag ich gar nicht und manchmal macht sie mich wütend. Zum Beispiel, wenn mich jemand schubst oder am Arm zerrt. 

Und schreiben Sie bitte auch, dass ich ein Witzbold bin! Ich habe einen ganz neuen Witz erfunden: Meine beiden Freunde und ich, wir sind unzertrennlich. Außer es ist eine Trennscheibe zwischen uns! 
 

Justus, 10 Jahre

Ich bin überzeugt, dass jedes Lebewesen auf dem Planeten etwas Besonderes ist. Wenn die Umstände gut genug sind, kann sich jeder in seiner genetischen Prädisposition bis zu einem gewissen Grad „normal“ entwickeln. Es ist wichtig, dass es genügend Möglichkeiten gibt, um seinen eigenen Weg zu gehen, damit der Entwicklungsprozess kontinuierlich verläuft. Wenn dies nicht der Fall ist, wird meiner Meinung nach alles zusammenbrechen. Ich wünsche mir, dass jeder die Möglichkeit hat, sich persönlich zu entwickeln und seine Wertvorstellung miteinander vereinen zu können, auch wenn Sie nicht der Norm entsprechen. 

Gregor, 36 Jahre

Ich habe meine Diagnose Asperger vor eineinhalb Jahren bekommen. Seitdem kann ich sowohl meine eigenen Reaktionen und Vorgehensweisen besser verstehen als auch das Verhalten meiner Mitmenschen mir gegenüber. 

Obwohl ich weiß, dass wir in einer zunehmend offener werdenden Gesellschaft leben, habe ich Angst davor, ausgegrenzt und abgestempelt zu werden, wenn ich meine Diagnose öffentlich mache. 

Ich hoffe darauf, irgendwann diesen jetzt fehlenden Mut aufbringen zu können, da eine Gesellschaft aus unzähligen Facetten besteht und ich mich, mit all meinen Eigenheiten, als Bereicherung dieser sehe. 
 

Christian, 37 Jahre

Leben im Autismus-Spektrum 

Viele Menschen mit Autismus-Diagnose sind Vorurteilen und Stigmatisierung ausgesetzt. Im Umgang mit Autist:innen gibt es laufend falsche Zuschreibungen, wenig Wissen, dafür viel Mitleid und große Unsicherheit. Betroffene wollen das ändern und machen sich öffentlich stark für ein mehrstimmiges Bild. Sie möchten ein lebendiger Weckruf sein für mehr Achtsamkeit gegenüber einfachen Bildern und schnellen Diagnosen. Die Welt verstehen lernen ist nicht nur eine Aufgabe für sie selber, sondern gilt in alle Richtungen: Medizin, Politik, Schule oder Medien. 

Jeder Mensch ist verschieden und wir alle erleben uns selbst und unsere Umwelt ein wenig anders. Wir haben Autistinnen und Autisten um einen Einblick in persönliche Erfahrungen gebeten.

Mir wurde erst im Erwachsenenalter diagnostiziert, dass ich im Spektrum bin. Trotz rückblickend eindeutig auffälligem Verhalten ist keiner meiner Lehrer in den Jahren von der Einschulung bis zur Matura auf den Gedanken gekommen, dass meine meist geminderte Leistungsfähigkeit nichts mit Faulheit zu tun hatte. Nach der Diagnose verstehe ich mich selbst besser und habe endlich die Bestätigung und nicht nur die unsichere Vermutung, dass andere Menschen sich besser in ihren Leben zurechtfinden. 

Ich kenne es nicht anders und versuche mittlerweile, Vorteile aus meiner anderen Wahrnehmung der Welt zu ziehen. Lehrer in Schulen sollten meiner Meinung nach zumindest über die Grundlagen von Autismus-Störungen aufgeklärt werden, damit Menschen wie ich frühzeitig und zielgerichtet gefördert werden können und ihnen somit hoffentlich zukünftig viele schlechte Erfahrungen erspart bleiben. 

Alexander, 25 Jahre

Meine Diagnose war eine große Erleichterung! Ich nehme extrem viel wahr, das ist toll. Ich bin extrem emotional. Das ist nicht immer einfach! Ich fühle viel zu viel im Leben. Ich habe ein sehr feines Gehör. Musik machen ist super, aber Lärm und Geräusche tun schrecklich weh. Oft herrscht höchst komplexes Chaos im Gehirn, weil man so viel fühlt und wahrnimmt. Ich bin froh, zu sein, wie ich bin. 

Katja, 35 Jahre

Nicht alle Menschen sind gleich. Autismus-Spektrum bedeutet, dass man die Welt anders wahrnimmt. Ich kann zum Beispiel manche meiner Gedanken sehen, wie ein Hologramm. Ich kenne mich sehr gut mit öffentlichen Verkehrsnetzen aus. Ich habe ein sehr gutes Ohr für Geräusche. Menschlichen Lärm mag ich nicht. Ich komme gut damit klar, aber die anderen manchmal nicht. 

Erich, 16 Jahre

Angebote der Diakonie 

Die Diakonie bietet für Menschen im Autismus-Spektrum und ihre Familien Beratung an – so können Besonderheiten und spezielle Herausforderungen früh erkannt werden.  

Das kann zum Beispiel ein Wohn- und Lebensumfeld sein, das den individuellen Bedürfnissen von Menschen im Autismus-Spektrum besonders entspricht. Oder eine Bildungseinrichtung, in der sich junge Menschen im Autismus-Spektrum gut entfalten können. Eine Begleitung entlang der individuellen Besonderheiten ist uns als Diakonie sehr wichtig, ob dies Beratung am Beginn ist, Diagnose oder Alltagsbegleitung. 

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Angebote für Menschen mit Behinderungen auf einen Blick

  • Behinderung und Inklusion
10 Mai
Albert-Schweitzer-Haus, Schwarzspanierstraße 13 , 1090 Wien
Wege zu effektiverer Kommunikation
  • Leben im Autismusspektrum
23 Mai
Diakonie Akademie – Haus Bethanien, Hauptstraße 3 , 4210 Gallneukirchen
Unterstützte Kommunikation Basics und neue technische Hilfsmittel
  • Gutes Leben mit Demenz
  • Leben im Autismusspektrum