Wir leben in einer Zeit, in der das „Ich“ sehr laut geworden ist. Plattformen wie soziale Medien fördern den Wunsch, sich selbst zu inszenieren, Erfolge sichtbar zu machen und möglichst unabhängig und stark zu wirken. Das moderne Ideal scheint ein Mensch zu sein, der alles allein schafft – souverän, unerschütterlich, autonom, ohne auf andere angewiesen zu sein.
Ich halte das für schwierig. Denn das Leben – und das zeigt sich besonders bei unserer Arbeit in der Diakonie de La Tour – ist kein Alleingang. Es ist ein Miteinander, das uns trägt, heilt und wachsen lässt. Kein Mensch kommt ohne Beziehung, ohne Unterstützung, ohne Zuwendung aus. Wir alle sind darauf angewiesen, gesehen, gehört und verstanden zu werden. Angewiesenheit ist kein Makel, sondern ein wertvolles Gut. Sie macht uns zu Menschen und sie verbindet uns zu einer gemeinsamen Verantwortung. Und genau das dürfen wir in unserem täglichen Tun immer wieder erleben: wie stark das Wir ist.
Die Geschichten, die Sie in diesem Magazin lesen werden, sind Momentaufnahmen eines gelebten Miteinanders, eines Füreinanders auf Augenhöhe. Sie erzählen von Menschen, die einander helfen, zuhören, Raum geben. Von Mitarbeiter:innen, die sich mit ganzem Herzen engagieren. Von Klient:innen, die Zutrauen erfahren und neue Wege gehen. Und von all den kleinen und großen Wundern, die möglich werden, wenn Menschen einander zugewandt sind. Ich sehe in diesem gelebten Wir etwas Tiefes und Tragendes. Eine Haltung, die verbindet. Eine Kraft, die trägt. Und ein Wurzelgeflecht, das uns in die Tiefe wachsen lässt und in schwierigen Zeiten Halt gibt.
Ich bin jeden Tag aufs Neue dankbar dafür, Teil einer Organisation zu sein, in der aus Menschlichkeit und Vertrauen ein tragendes Wir entsteht – ein Wir, das daran wächst, dass sich viele Menschen mit ihren guten Kräften auf ihre je eigene Art einweben.
Ich lade Sie ein, beim Lesen nicht nur die Geschichten anderer zu entdecken, sondern auch sich selbst zu fragen: Wo finde ich mein Wir? Und: Wie kann ich selbst Teil davon sein?
- Vorwort von Astrid Körner
Laden Sie hier das gesamte MitMenschen Magazin 2025 als PDF herunter!
FREIRAUM, GESTALTUNGSRAUM, LEBENSRAUM – Das Wort „Raum“ kann so vieles sein. In dem aktuellen MITMENSCHEN-Magazin wird dieser Begriff zur Metapher, für die Vielfalt unseres Tuns und Handelns.